Neue Jobs und alte Tricks drücken Quote

Arbeitslosigkeit bleibt bei 9,6 Prozent – teils durch reales Stellenwachstum, teils durch eine veränderte Zuordnung

BERLIN | taz ■ | Damit hatten höchstens Optimisten gerechnet: Im Dezember stieg die Zahl der Arbeitslosen nur um ganze 12.000 auf 4,008 Millionen. Saisonbereinigt ging die Zahl der Arbeitslosen sogar in einem Monat um 108.000 zurück. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 597.000 Arbeitslose weniger, wie die Bundesagentur für Arbeit gestern bekannt gab. Die Arbeitslosenquote liegt unverändert bei 9,6 Prozent, Ende 2005 waren es noch 10,8 Prozent.

Zugenommen hat vor allem die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die sich allerdings immer nur zeitverzögert ermitteln lässt. Für Oktober schätzt die Bundesagentur, dass damals 26,95 Millionen sozialversichert beschäftigt waren – ein Plus von 392.000 im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg das Angebot der offenen Stellen: Im Dezember waren 592.000 bei den Arbeitsagenturen gemeldet – 197.000 mehr als vor einem Jahr.

Vom Aufschwung profitieren vor allem männliche Arbeitslose: Ihre Zahl sank um 17,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hingegen wurden nur 8 Prozent weniger weibliche Arbeitslose registriert, wie das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung errechnet hat.

Zudem finden vor allem Kurzzeitarbeitslose eine neue Stelle. Zwar hat sich auch die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger im Vergleich zum Vorjahr um 212.000 Personen verringert, aber dieser Effekt hat nicht nur mit dem realen Arbeitsmarkt zu tun – viele Hartz-IV-Empfänger wurden einfach aus der Statistik entfernt. In der Sprache der Bundesagentur: „Der Rückgang ist auch durch die professionellere Arbeit bei der Betreuung und Klärung des Arbeitslosenstatus der Arbeitslosengeld-II-Bezieher beeinflusst.“

Oder anders: Im Dezember erhielten 5.051.000 Menschen Arbeitslosengeld II – das sind zwei Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Doch erstaunlich: Davon galten nur noch 2.596.000 Personen als arbeitslos. Das sind 51 Prozent. Im letzten Jahr firmierten hingegen noch 57 Prozent der ALG-II-Bezieher als arbeitslos. Dieser Schwund hat zum Teil damit zu tun, dass den Ämtern plötzlich bei vielen Leuten auffiel, dass sie für längere Zeit erkrankt sind oder Kinder unter drei Jahren betreuen müssen. Erwerbsfähigkeit ist eben eine Frage der Definition.