RWE & Co investieren wenig in neue Energien

Viel Ökowerbung, kaum Ökostrom

Eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung legt offen, wie viel die vier großen Energiekonzerne in erneuerbare Energien investieren. Es ist nicht viel.

Steckt mehr Energie in große Wort als in Erneuerbare Energien: RWE.   Bild: ap

BERLIN taz „Erneuerbare Energien leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft. Deshalb suchen wir immer weiter nach Standorten, um unerschöpfliche Ressourcen wie Wind, Wasser und Biomasse klimaschonend zu nutzen.“ Mit solchen Worten brüstet sich der Energiekonzern Eon auf seiner Homepage. Ähnliche Worte sind auf den Seiten der anderen drei großen Energiekonzerne RWE, Vattenfall und EnBW zu lesen. Greenpeace hat jetzt untersuchen lassen, was diese Worte wert sind. Ergebnis: nicht viel.

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Was haben die Konzerne bislang zum Ausbau der erneuerbaren Energien beigetragen? Und wie sind ihre Investitionsankündigungen zu bewerten? Diesen Fragen ging das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung unter der Leitung von Bernd Hirschl in der Studie nach. Als Bezugszeitraum wurde das Jahr 2007 gewählt, für das zum Zeitpunkt der Studie die vollständigen Geschäftszahlen vorlagen.

Vattenfall führt die Studie an mit einem konzernweiten Anteil von 20,7 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen. Darin enthalten ist jedoch auch die Strommenge, die mit alten Wasserkraftanlagen in Schweden produziert wird. „Was jedoch als erneuerbare Energien ausgebaut werden sollte, sind neue Technologien“, betont Studienleiter Hirschl. Ohne den Anteil aus alten schwedischen Wasserkraftanlagen ergibt sich lediglich ein erneuerbarer Anteil von 1,7 Prozent am gesamten von Vattenfall produzierten Strom. Betrachtet man diesen Wert nur für Deutschland, werden die Relationen noch schlechter: Vattenfall produziert hier nur 1,1 Prozent seines Stroms regenerativ.

„Bester“ unter den großen vier Stromanbietern ist Eon mit einem Anteil von 1,4 Prozent regenerativ erzeugtem Strom – die alte Wasserkraft nicht einbezogen. RWE kommt auf 0,4 Prozent, EnBW sogar nur auf 0,1. Zum Vergleich: Deutschlandweit lag der Anteil der Erneuerbaren am Gesamtstrommix ohne alte Wasserkraft bei 10,8 Prozent. Das bedeutet: Andere Produzenten sind dutzendfach klimafreundlicher.

Zusätzlich hat die Studie auf der Basis von Investitionsplänen der „großen vier“ eine Prognose für die Jahre bis 2020 erstellt. Eon kommt nach dieser auf 15 Prozent, RWE auf 12 Prozent. Das politische Ziel hingegen lautet EU-weit 20 Prozent, für Deutschland sogar mindestens 30 Prozent. Diese Zielmarken erreichen Vattenfall mit 33 Prozent und EnBW mit 21 Prozent – dank hohen Wasserkraftanteils.

„Die großen vier blockieren entscheidende Schritte für den Klimaschutz und die Versorgungssicherheit“, sagt Andree Böhling, Energieexperte bei Greenpeace. „Sie verschleppen den Umbau der Stromversorgung und schaden mit monopolartigen Gewinnen dem Standort Deutschland. Auch millionenschwere PR-Kampagnen können darüber nicht hinwegtäuschen.“

Die Konzerne selbst lassen diese Worte kalt. Eon-Konzernsprecher Mirko Kahre sagt: „Zwischen 2007 und 2010 investieren wir 6 Milliarden Euro in erneuerbare Energien – so viel wie kein anderes Unternehmen.“ Auch in Zeiten der Krisen habe Eon angekündigt, keinen Cent an den erneuerbaren Energien zu sparen. Kahre: „Deshalb prallt der Vorwurf an uns ab.“

RWE, Vattenfall und EnBW argumentieren in die gleiche Richtung und bewerten ihre Investionen als sehr groß. „Die Zahlen von 2007 sind zwar richtig, aber in den letzten zwei Jahren haben wir große Fortschritte gemacht“, erklärt ein Vattenfall-Sprecher, „und nehmen das Thema mittlerweile sehr ernst.“ Barbara Woydtke, Sprecherin von RWE Innogy: „Unsere Philosophie ist, dass man einen gesunden Energiemix braucht, der keinen Energieträger ausgrenzt.“

 

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