„Offen für jeden“

DESIGN-DIENSTLEISTUNG Auf St. Pauli eröffnet die Öffentliche Gestaltungsberatung wieder

taz: Frau Dieckmann, gibt es so etwas wie klassische Fragen bei der Gestaltungsberatung?

Charlotte Dieckmann: Jedes Projekt ist anders und jeder Klient, der zu uns kommt, stellt sich etwas anderes darunter vor, was wir machen können.

Sie sind Designer und Studierende der Hochschule für bildende Künste (HFBK). Wer wendet sich an Sie?

Das sind ganz unterschiedliche Leute. Manchmal Mieter, Jüngere und Ältere. Kinder hatten wir noch nicht – wobei: eine Mutter hatte ihre Tochter dabei, und wir haben gemeinsam ein Gartenhaus gebaut. Manchmal kommen auch Initiativen auf uns zu, wir haben relativ viel mit den Esso-Häusern zusammen gearbeitet. Wir sind offen für jeden.

Gelingt es, wie angedacht, auch Leute mit wenig Geld oder migrantischem Hintergrund anzusprechen?

■ 27, geboren in Lüneburg, studiert Design an der HFBK. Sie war nominiert für den Designpreis der Leinemann-Stiftung.

Es ist klar, dass Leute, die sich alles leisten können und Probleme dadurch lösen, dass sie andere Dinge kaufen, nicht zu uns kommen. Solche Leute würden wir auch nicht beraten, wir wollen unseren Designer-Kollegen nicht die Jobs wegnehmen. Wir wollen Projekte von Leuten beraten, die sich gute Gestaltung sonst nicht leisten können.

Sind denn noch nie Leute mit Geld aufgetaucht?

Es ist erst einmal vorgekommen. Da ging es um einen Fußballverein, bei dem wir das Vereinsheim umgestalten sollten. Im Laufe des Projekts haben wir dann gemerkt, dass der Verein genügend Geld hatte, um sich professionell beraten zu lassen – und das Ganze abgebrochen.

Gab es ein Projekt, an dem Sie besonders viel Spaß hatten?

Für mich persönlich war tatsächlich dieses Gartenhaus am interessantesten. Die Klientin musste nach dem Kleingartengesetz ein Haus aufstellen und hatte unter denen im normalen Handel nichts gefunden, was ihr entsprach. Wir haben das Haus dann aus Europaletten konzipiert, weil der Kleingarten, in dem es steht, in acht Jahren abgerissen und umgesiedelt werden soll. Deswegen haben wir das Haus so entwickelt, dass man es wieder abbauen und die Paletten in das Pfandsystem zurückführen kann.

Helfen Sie auch beim Bauen?

Eigentlich machen wir nur die Gestaltung. Je nach Projekt wird von den Studenten entschieden, ob sie auch bei der Umsetzung dabei sein wollen. Da muss man dann gucken, wer die Kosten trägt.  INTERVIEW: GRÄ

Wiedereröffnungs-Party: 19 Uhr, Öffentliche Gestaltungsberatung St. Pauli, Hein-Köllisch-Platz 11. Kostenlose Beratung: mittwochs, 18–19 Uhr