Klassenkeile bei SPD

Die SPD-Rechten der „Berliner Mitte“ sprechen sich gegen die geplante Einführung von Gemeinschaftsschulen aus

Der von der rot-roten Koalition beschlossene Einstieg in die Gemeinschaftsschule wird von Teilen der SPD in Frage gestellt. „Die Gemeinschaftsschule gibt keine Antworten auf die gegenwärtigen Probleme in den Hauptschulen“, sagte die SPD-Abgeordnete Renate Harant gestern. Sie verfasste für den SPD-Kreis „Berliner Mitte“ – hervorgegangen aus dem rechten Parteiflügel „Britzer Kreis“ – ein Positionspapier, das alternative Ansätze zu den Modellprojekten Gemeinschaftsschule fordert. Darin sollen sich Schulen von der ersten bis zur zehnten Klasse auf freiwilliger Basis zusammenschließen, um längeres gemeinsames Lernen zu erproben.

Die „Berliner Mitte“ spreche sich dafür aus, die Sekundarschule – einen Zusammenschluss von Haupt-, Real- und Gesamtschulen – zu erproben, sagte Harant. Die sei wesentlich leichter und schneller umsetzbar als „die ideologisch befrachtete Gemeinschaftsschule, die das traditionelle Gymnasium abschaffen will und auf Vorbehalte stößt“.

„Wir wissen nicht, ob die Gemeinschaftsschule wirklich das Ei des Kolumbus ist, um die Probleme an den Schulen zu lösen“, sagte Harant. Erst wenn in der Praxis erwiesen sei, dass sie alle Schüler besser fördere, könne sie flächendeckend in Berlin eingeführt werden. Als „Aufweichung des Koalitionsvertrages“ will Harant ihr Plädoyer aber nicht verstanden wissen.

SPD-Fraktionssprecher Peter Stadtmüller zeigte sich nicht begeistert über das Papier. „Selbstverständlich gilt der Koalitionsvertrag“, erklärte er. Über die Position der SPD-Gruppe werde man nun intern diskutieren. Auch Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) wollte das Papier gestern nicht kommentieren. Die „Berliner Mitte“ ist in der Hauptstadt-SPD in der Minderheit.