Arbeitsmarkt

Intellekt wird zur Mangelware

Den Berliner Unternehmen drohen die Facharbeiter auszugehen - vor allem in Metallberufen. Sie fordern daher mehr Zuwanderung. Die Handwerkskammer will hingegen das Reservoir an hiesigen Fachkräften ausschöpfen

Fachkräfte werden immer begehrter  Bild: DPA

Über Mangel an Anfragen kann sich Hans-Peter Blisse nicht beschweren. Er sucht und vermittelt für die private Arbeitsvermittlung AVP Personal für Berliner Firmen. Blisse profitiert davon, dass die Suche für die Firmen immer mühsamer wird: "Bahnbauingenieure, Wagenmeister, Lokführer sind nicht zu bekommen. Die Firmen müssen Aufträge ablehnen", berichtet Blisse. Am gravierendsten sei die Lage bei den Metallberufen. Der Markt sei wie leer gefegt. Schuld daran seien auch die geringen Einstiegsgehälter. Die Folge: Die Menschen wanderten in andere Bundesländer ab.

taz paywall

Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?

Mehr Infos

taz.de

Der Mangel an Arbeitskräften in einigen Bereichen nimmt vorweg, was die Wirtschaft in großem Stil fürchtet: Fachkräftemangel. In vier Jahren wird sich der Geburtenknick auf die Betriebe auswirken. 2011 werden sich 26.000 Schulabgänger für Studium oder Ausbildung bewerben, rund 10.000 weniger als noch vor vier Jahren. "Die Zahlen schlagen richtig ins Kontor", sagt Holger Lunau, Sprecher der Berliner Industrie und Handelskammer (IHK). Branchenweit würden vor allem Leute mit Köpfchen zur Mangelware. Bereits heute seien etwa IT-Spezialisten, Versicherungs- und Bankkaufleute rar. Berliner Unternehmen stellen dieses Jahr deshalb 10 Prozent mehr Lehrstellen als 2006 zur Verfügung. "Die Unternehmen wachen auf", so Lunau.

Die 7.000 betrieblichen Ausbildungsplätze werden für die 32.000 Bewerber zwar nicht annähernd ausreichen, doch hier sieht die IHK vor allem die potenziellen Lehrlinge in der Pflicht. Eine Umfrage der Kammer habe gezeigt, dass jeder fünfte Ausbildungsbetrieb keine geeigneten Azubis finde. Die IHK appelliert deshalb an den Senat, die Rate der Abbrecher zu senken. Jeder zehnte Schulabgänger hat keinen Abschluss.

Für sie bietet die IHK Praktikumsplätze in Unternehmen an. Etwa 500 Jugendliche bekommen auf diesem Wege doch noch eine Lehrstelle. Der Engpass bei hochqualifizierten Fachleuten sei damit aber nicht zu beheben. Die IHK fordert deshalb, Zuwanderung zu erleichtern. Ingenieure aus Osteuropa etwa würden sich in Berlin kaum bewerben.

Die Handwerkskammer dagegen will das Reservoir an hiesigen Arbeitnehmern besser ausschöpfen und setzt auf die Duale Ausbildung. "Darüber gewinnen wir 98 Prozent unserer Fachkräfte", sagt der Geschäftsführer der Kammer, Ulrich Wiegand. In Handwerksunternehmen sei jeder zehnte Beschäftigte in der Ausbildung. "Damit tun wir eine Menge, auch für andere Branchen." Wiegand mahnte zudem an, auch über 45-Jährige stärker und besser zu qualifizieren. "Bei der Weiterbildung entscheidet sich die Zukunft des Wirtschaftsstandorts."

Die Bundesregierung berät Ende der Woche in ihrer Kabinettsklausur Vorschläge für eine Qualitätsoffensive, die deutsche Fabriken vor der Verödung retten soll. So sollen mehr Menschen ohne Abitur zum Studium zugelassen werden. An der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft haben bereits 10 Prozent der Studienanfänger keine formale Hochschulzugangsberechtigung, sondern einen Realschulabschluss und Berufserfahrung. Das Hochschulgesetz ermöglicht solche Ausnahmen.

<typohead type="5"><br/>

</typohead>

 

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Wenn Sie Ihren Kommentar nicht finden, klicken Sie bitte hier.

Geben Sie Ihren Kommentar hier ein