„Irritationen verhindern“

DISKUSSION Experten streiten über den Zusammenhang von Religionen und Gewalt

taz: Frau Kaddor, warum fordern Sie einen Islamunterricht an öffentlichen Schulen?

Lamya Kaddor: Das ist einer von vielen wichtigen Punkten in der Integrationsdebatte. Denn ein deutscher Islamunterricht unterstützt eine muslimische Identität: Mit einer bestärkten und selbstsicheren Identität geht man leichter auf andere zu.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer behauptet in einer Studie einen Zusammenhang zwischen Islam und Gewalt. Werden Sie sich heute streiten?

Sagt er, dass Religion oder konkreter der Islam hauptverantwortlich für Gewalt ist, wird er mit heftigem Widerspruch rechnen müssen.

Seine Studie besagt, Imame hätten einen förderlichen Einfluss auf Gewaltakzeptanz bei Jugendlichen…

Das sehe ich kritisch. Erhöhte Kriminalität erklärt sich vorrangig aus dem sozialen und bildungspolitischen Kontext. Daneben durch Diskriminierungs- oder Frustrationserfahrungen. Nachrangig, als vierter oder fünfter Punkt kann vielleicht die Religion herangezogen werden.

Für Ihr Modell muss eine muslimische Religionsgemeinschaft als Unterrichts-Träger fungieren. Wer wird dies tun?

Dafür muss es zunächst einmal Übergangslösungen in den Bundesländern geben: zum Beispiel einen runden Tisch, an dem sich alle Gruppen und Vereine einbringen können.

Wie bewerten Sie den überkonfessionellen „biblischen Geschichtsunterricht“, den es so nur in Bremen gibt?

Das Modell ist nicht schlecht. Aber ich fände es sinnvoller, wenn SchülerInnen bis zur achten Klasse in ihrer eigenen Religion unterrichtet werden. Sie diskutieren dadurch selbstsicherer. Gleichzeitig verhindert es Irritationen und das Gefühl, angegriffen zu sein. INTERVIEW: AK

Uni-Gästehaus, Teerhof, 20 Uhr