20 Kirchenasyle in der Nordkirche

FLÜCHTLINGE Pastorin Fanny Dethloff fordert Hilfe von der ökumenischen Gemeinschaft

Steigende Flüchtlingszahlen lassen die Notquartiere aus allen Nähten platzen – auch in der Kirche. „An unsere Türen klopfen zahlreiche Flüchtlinge an und bitten um Hilfe“, sagte Fanny Dethloff, Flüchtlingspastorin der evangelischen Nordkirche. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gebe es derzeit 20 Fälle von Kirchenasyl, sagte die 54-Jährige.

„Wir brauchen noch viel mehr Willkommens-Kultur“

FANNY DETHLOFF, PASTORIN

Die sechs Hamburger Gästewohnungen für „Menschen in Not“ seien seit Monaten belegt. Etwa ein Dutzend evangelische Kirchengemeinden in Hamburg gewährt insgesamt rund einhundert Flüchtlingen „humanitäre Nothilfe“. Unter den Flüchtlingen seien viele Roma-Familien sowie Menschen aus Syrien und Tschetschenien. Auch junge Flüchtlinge aus dem Iran, Afghanistan oder dem Irak würden innerhalb Europas hin- und hergeschoben. Oft würden ihnen Asylgründe abgesprochen, obwohl schwere Erkrankungen vorliegen, sagte Dethloff. Ihr Telefon stehe nicht still: „Ich muss zurück nach Italien!“, heiße es dann. Oder: „Mich schieben sie direkt aus Norwegen zurück nach Afghanistan.“

Die Flüchtlingsgruppe „Lampedusa in Hamburg“ habe die Situation unwillkommener Flüchtlinge aufgedeckt und eine breite Öffentlichkeit erreicht, sagte Dethloff. Viele von ihnen seien von Gemeinden untergebracht und würden rechtlich beraten und begleitet. Betroffen seien aber auch viele Flüchtlinge, die bereits begonnen hatten, sich zu integrieren. Auch sie erhielten die Aufforderung, Deutschland wieder zu verlassen.

„Vor allem in Hamburg ist jetzt die ökumenische Gemeinschaft gefordert“, sagte Dethloff. Mancherorts würden Flüchtlinge auch von Kirchengemeinden abgewiesen und weitergeschickt, etwa nach St. Pauli oder Ottensen. „Angesichts der Hilferufe brauchen wir noch viel mehr Willkommens-Kultur“, sagte die Pastorin.  (epd)