DIE GESELLSCHAFTSKRITIK

Petzen per Smartphone

WAS SAGT UNS DAS? Mit einer neuen App können aufmerksame Bürger Falschparker melden

Petzer sind die modernen Helden. Das zumindest vermittelt ein Blick auf die Entwicklung von als Bürgerservice getarnten Überwachungs-Apps für Smartphones. Der neueste Coup ist die seit Ende März erhältliche App „Wegeheld“. Hier können Smartphonebesitzer „WegeAlarm“ schlagen und Falschparker melden. Die „Rowdies“ werden auf einer Übersichtskarte angezeigt. Wer will, informiert auch gleich das Ordnungsamt per Mail. Das soll „für ein besseres Miteinander im Straßenverkehr“ sorgen, ist aber vor allem eines: moderne Lobbyarbeit von Fahrrad- und Umweltaktivisten mit Denunziationscharakter. Die Petz-App stößt damit ins Mark deutscher Ordnungsbefindlichkeiten.

Ihre Vorbilder kommen aus den USA. Dort kann man schon länger per Telefon Regelverstöße von Mitbürgern anzeigen. Wohin das führt, lässt sich an der mittlerweile wieder eingestellten „PatriotApp“ betrachten. Mit ihr meldeten Vaterlandsliebende nicht nur Hundehaufen und Falschparker, sondern gleich auch verdächtige Personen, die zumindest so aussahen, als bedrohten sie die Sicherheit der Heimat.

Der Krieg gegen den alltäglichen Terror beginnt so schon am eigenen Smartphone – der Überwachungsterror, den diese Apps mit sich bringen, ebenso. Besorgte Eltern laden außer dem „Wegeheld“ auch gleich die Tracking-App „FindMyPhone“ herunter. Per GPS lässt sich dann checken, wo die eigenen Gören herumtollen, wenn diese ihren Standort nicht preisgeben wollen. Da hebe einer noch den Finger und klage über willkürliche Geheimdienste wie die NSA. Wir sind uns selbst die liebsten Spitzel.

LUKAS MEYER-BLANKENBURG