unterm strich

Nacktmulle und Purpurschnecken sind heute kein Thema. Stattdessen wenden wir uns dem Streit um wertvolle mittelalterliche Handschriften in Baden-Württemberg zu. Aus der Sammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe sollen Handschriften, Musikschriften und frühe Drucke verkauft werden. Mit dem Geld will die CDU-FDP-Landesregierung in Stuttgart das am Bodensee gelegene Schloss Salem, das der Markgrafenfamilie von Baden gehört, dauerhaft restaurieren und sichern.

Sowohl das Land als auch das Adelshaus erheben hierbei Ansprüche auf Kulturgüter im Wert von 300 Millionen Euro. Als Kompromiss sollten Kulturgüter für 70 Millionen Euro verkauft werden, die unter anderem in eine gemeinnützige Stiftung zum Erhalt des Schlosses fließen. Im Gegenzug verzichtet das Haus Baden auf weitere Forderungen.

Um diese 70 Millionen Euro aufzutreiben, will die CDU ebenjene Handschriften verkaufen, wobei es sich vor allem um mittelalterliche Literatur wie theologische Schriften oder das Nibelungenlied handelt. Dieser Vorschlag ist international auf harsche Kritik gestoßen. Nun soll laut Staatsministerium eine Lösung „unter möglichster Schonung vorhandener Kulturgüter“ gesucht werden. Möglich wäre eine Mischfinanzierung: Einen Beitrag sollen Sponsoren aus der Wirtschaft und private Spenden leisten, das Land will sich finanziell beteiligen. Außerdem müssten Kunsteinrichtungen einen Beitrag leisten. Schließlich habe man kaum Handlungsspielraum, so eine Stellungnahme aus dem Staatsministerium, da eine mögliche Insolvenz des Hauses Baden „zur Vollstreckung durch die Banken und dem Verlust wertvoller Kulturgüter führen würde“. Die SPD verlangt derweil konsequent einen Verhandlungsstopp.