Collin Benjamin, Verteidiger und Aufmischer beim HSV

Der Arbeiter

Er kam in der zweiten Halbzeit gegen Mainz für Guy Demel. Und er kam von Anfang an gegen Bayern München: Collin Benjamin ist wieder da. Kein Spieler des Hamburger SV ist so hamburgisch wie der 32-Jährige aus Namibia. Bisherige Clubs: Civics FC Windhoek, Germania Schnelsen, Raspo Elmshorn. Seit 2001 bei den Rothosen. In der Nationalmannschaft Namibias darf er auch mal im Sturm spielen, beim HSV nicht. Defensiv hat er beim HSV schon alles gemacht außer Torwart.

Beim Freundschaftsspiel Namibia gegen Swasiland (1:1) im September 2009 holte sich Benjamin einen Innenbandan- und Teilriss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie. „Das dauert sechs Monate“, sagte Benjamin damals. Die Prognose stimmte. Die HSV-Verantwortlichen waren gut beraten, Benjamins Vertrag, der während der Verletzung auslief, zu verlängern.

■ der 32-Jährige, derzeit als Verteidiger am Ball, ist eigentlich „Allrounder“ und seit 2001 im Profikader des HSV

Es gibt eine Menge Spieler beim HSV, die mehr am Ball können als „Collo“, aber der haut sich mehr rein. Das war beim 0:0 gegen die Bayern bitter nötig, denn über seine rechte Abwehrseite kam Thomas Müller, und wenn es am Freitagabend für den HSV gefährlich wurde, dann war der im Spiel. Zu zweit, mit Mittelfeldspieler Jonathan Pitroipa, versuchten sie den Nationalspieler zu stoppen. Bis auf zwei, drei Szenen mit Erfolg.

Marcell Jansen, der gegen Bayern auf der anderen Seite verteidigte, sagte: „Das ist einfach affengeil, wenn er so ein gutes Spiel macht. Weil er ein guter Mensch ist.“ Benjamin hat in Namibia die „Collin Benjamin Soccer Academy“ gegründet, die den Nachwuchs fördert. Aus der Academy ging Tura Magic hervor. Er kickt in der zweiten namibischen Liga. Auch HSV-Trainer Armin Veh wurde zu Benjamin befragt, den manche schon abgeschrieben hatten: „Er hat gut gearbeitet. Und wenn einer im Training gut arbeitet, dann bekommt er eine Chance bei mir.“

Und was wird aus Guy Demel, den Benjamin als rechter Verteidiger verdrängte? „Für den gilt das auch“, sagt Veh. Er muss gut trainieren, dann spielt er wieder. Und wie bewertet der Trainer „Collos“ Leistung? „Ordentlich.“ Wenn ein Schwabe wie Veh das sagt, ist es ein Lob. Auf die Frage, ob Benjamin auch gegen den 1. FC Köln spielt, sagt Veh: „Warum nicht?“

Benjamin ärgerte sich über die Punkteteilung gegen die Bayern: „Auf Grund der Chancen ist das 0:0 eher ernüchternd, aber die Bayern sind eben auch ohne den einen oder anderen Spieler unbequem zu spielen.“ Und was denkt er über seine Zukunft: „Ich kann nicht mehr, als mich im Training anzubieten. Das werde ich weiter machen.“ Benjamin, der Tochter und Sohn regelmäßig aus der Kita abholt, hat nur einen Fehler: einen weißen Hummer. Der gurgelt in der Stadt 20 Liter auf 100 Kilometer weg und macht Collos CO2-Bilanz kaputt. Collo, hau weg das Ding!