Knastrandale

Denn sie wissen nicht, was die Jungknackis tun

Die jungen Häftlinge müssen für die Schäden selbst aufkommen. Warum sie rebellierten, ist aber weiter unklar.

An der Hitze lag es nicht. Mit dieser Klarstellung korrigierte Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) am Donnerstag ihre ursprüngliche Vermutung, die Untersuchungshäftlinge im Jugendknast Kieferngrund hätten womöglich wegen des heißen Wetters in ihren Zellen randaliert. Vielmehr hätten sich die Insassen - "die auch in Freiheit nicht gerade durch angepasstes Verhalten auffallen" - gegenseitig durch ihr Verhalten hochgeschaukelt, sagte die Senatorin im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses. Mitnichten habe es sich dabei aber um eine Revolte gegen angeblich schlechte Haftbedingungen gehandelt. Letzteres hatten die Strafverteidiger-Vereinigung und der Anstaltsbeirat des Jugendknasts vermutet (taz berichtete).

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15 von insgesamt 66 Häftlingen im Knast Kieferngrund hatten am Samstag in ihren Zellen die Fensterscheiben eingeschlagen und zum Teil Mobiliar zerstört. Es war der erste Vorfall dieser Art seit Jahren in Berlin. Am Rande einer Sondersitzung zum geplanten Justizetat und zu Personalfragen beschäftigte sich der Rechtsausschuss damit.

Anders als üblich sei das Mittagessen am Samstag im Kieferngrund nicht gemeinsam in der Wohngruppe eingenommen worden, sondern einzeln in den Zellen, berichtete Anstaltsleiter Marius Fiedler. Die Beamten hätten das angeordnet, weil die Gefangenen an dem Tag "ausgesprochen unruhig" gewesen seien. Schon morgens, als eine Gruppe auf der Sportanlage war, hätten Insassen "Frotzeleien" aus den Fenstern gerufen. Im Laufe des Tages hatten die Beamten zwei Fenster von Insassen mit einem Riegel versperrt. Nur eine Lüftungsklappe blieb offen. Laut Fiedler geschah dies, um die Situation zu entschärfen.

Einer der beiden, ein 17-jähriger gebürtiger Deutscher, der wegen des Verdachts des schweren Raubes einsitzt, zerschlug gegen 19.30 Uhr als Erster eine Scheibe. Allerdings erst, nachdem er laut Fiedler von anderen Insassen angestachelt worden war: "Warum lässt du dir das gefallen? Hau das Fenster ein." Später seien unter weiteren anfeuernden Rufen die anderen 14 Fenster zu Bruch gegangen, so der Anstaltsleiter. Einige "Oberclevere" hätten angestachelt, die eigene Zelle aber nicht angerührt.

Was das Motiv betrifft, seien die Randalier inzwischen einzeln befragt worden, so Fiedler. Fragen, ob man unzufrieden mit dem Essen sei oder Ärger mit den Beamten habe, seien verneint worden. Vielmehr habe es geheißen: Der und der Insasse habe gesagt, ich soll meine Scheibe zerkloppen. Alle 15 Häftlinge hätten sofort akzeptiert, dass sie für den Schaden aufkommen müssten. "Es gibt ein Bewusstsein: ,Da haben wir was falsch gemacht'.". Das, so Fiedler, habe ihn positiv überrascht.

Der Vorsitzende der Strafverteidiger-Vereinigung, Peter Zuriel, war von der Sitzung des Ausschusses enttäuscht: "Ich bin kein Stück schlauer als zuvor." Von den Abgeordneten, vor allem von den Grünen, so Zuriel, hätte er erwartet, dass sie deutlicher nachhaken.

 

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