„Keine wirkliche Inklusion“

LESUNG Drei Roma-AutorInnen aus drei Ländern stellen ihr Leben und ihre Literatur vor

taz: Herr Balog, was ist das Besondere an Roma-Literatur?

Maroš Balog: Vor allem die Sprache. Romanes, also die Roma-Sprache, wurde nicht überall kodifiziert. Das Schreiben auf Romanes ist eine Pionierarbeit. In meinem Literaturclub versuchen wir aber, zweisprachig zu schreiben – schließlich wollen wir ja den Nicht-Roma von uns erzählen.

Sie sind schon mehrmals in Deutschland gewesen – wie erleben Sie hier den Umgang mit Roma?

Eigentlich als ganz gut, die Deutschen haben nicht viele Vorurteile. Vor allem Sinti gibt es schon seit Generationen in Deutschland und sie werden von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert. Und bei den Roma, die erst in jüngerer Zeit nach Deutschland kommen, habe ich ebenfalls diesen Eindruck.

■ 37, lebt in Košice (Slowakei), vertritt die Roma-Minderheit im Innenministerium, hat zwei Roma-Literaturclubs gegründet und arbeitet als Chefredakteur der Zeitschrift „Sme tu/Sam adaj“.

Aber in Deutschland werden sie beschimpft, zum Beispiel als „Armutszuwanderer“ ...

Ja, aber da geht es meinem Eindruck nach nicht um eine Ethnisierung, sondern um die Armut der Menschen – dagegen richten sich die Vorurteile.

Und wie ist es in der Slowakei?

Dort gibt es starke rassistische Vorurteile gegen Roma. Das Wort „Zigeuner“ heißt auf slowakisch fast das Gleiche wie „Dieb“. Es gibt keine wirkliche Inklusion, sondern nur ein Nebeneinander. Gerade unter jungen Menschen und auch in den Medien wächst die Hetze in der letzten Zeit sogar noch an.

Wie erklären Sie sich das?

Ich vermute, das hat etwas mit der wachsenden Armut in der Slowakei zu tun und mit der steigenden Arbeitslosigkeit vor allem bei Jugendlichen. Wir müssen möglicherweise als Sündenbock herhalten.  INTERVIEW: SCHN

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