Thomas Mauch hört auf den Sound der Stadt

Gutelaunemusik. Gutetanzmusik. Hat man allemal mit Ska, der Schunkelmusik aus Jamaika, die in den Sechzigern immer flott und uplifting war, bis sie dann einigermaßen sediert und eben zum Reggae niedergekifft wurde. Und wie jede Gutelaunemusik kann natürlich auch Ska zum nervtötenden Stumpfsinn werden, wenn er von Kapellen minderer Qualität verrichtet wird, weil man im Spiel des Immergleichen – wie beim Beat, wie beim Punk – halt die Spannung halten können muss, ohne sich dabei zu verkünsteln. Dass man bei dem jetzt erscheinenden Debütalbum der Unlimiters mit dem schmucklosen Titel „The Unlimiters“ doch immer gleich noch den nächsten Song oder Instrumentaltitel mit reichlich Calypso- und Jazz-Input hören will, heißt dann eben, dass sich die Berliner Ska-Band auf diese Spannung versteht. Tanzen dazu kann man sowieso. Am Samstag, wenn die achtköpfige Band ihr Album im Lovelite präsentiert. Und wenn man die verschiedenen Plattencover der US-Band Of Montreal so durchblättert, immer mit den Zeichnungen darauf, bekommt man schon einen guten Eindruck, was dahinter für ein psychedelisch durchdrungener und spielerischer Indiepop steckt, der eloquent lofi genauso wie opulent kann. Am Sonntag im Admiralspalast. Bei dem Konzert von Josephine Foster & The Victor Herrero Band, gleichfalls am Sonntag im HBC (dem einstigen Haus Ungarn), ist erstmal auch der Veranstalter interessant, CTM Concerts, die immer öfter mit einer Musik antreten, die man vor einigen Jahren in diesem Umfeld noch nicht mal mit spitzen Fingern angefasst hätte, weil sie aus der Club-Transmediale-Elektronik-Perspektive einfach far out zu weit draußen gewesen wäre: Folk. Und zwar nicht in irgendeiner Tronica-Verbindung, sondern so richtig mit Flamencogitarre und spanischen Volksliedern, die der Ernst-Busch-Hörer zu Teilen bereits kennt. Gesungen von Josephine Foster, die mit ihrer ausgebildeten Stimme den Liedern aber etwas Artifizielles mit auf den Weg gibt, das sie doch an den Rand des sonstigen Folk rückt. Und für Randlagen interessiert man sich bei den CTM-Leuten halt. Und noch mehr Gutelaunemusik: Mit den Minnesota Voodoo Men, die eigentlich nichts anderes machen als die Millionen anderen Sixties/Garagen/Neo-Beat-Bands auch. Aber weil sie aus Japan kommen, darf man dazu eine noch größere Entschlossenheit im Tun und eine wildere Show erwarten am Mittwoch im Bassy Club. Japans Beatbands sind die besten.