Die Volkspark-Retterin

Ingrid Gangloff und das Volksparkbündnis kämpfen gegen die Umgestaltung des Altonaer Naherholungsgebietes zu einem kommerziellen Sportpark, in dem für Anwohner kaum Platz ist

Von Marco Carini

Die Nachricht hat sie schockiert. Als Ingrid Gangloff erfuhr, dass der Senat plant, den Volkspark durch den Bau zahlreicher Sport- und Vergnügungsstätten „aufzuwerten“, dachte sie: „Das ist das Ende des größten Parks der Stadt als für alle Hamburger zugängliches Naherholungsbebiet“.

Golfanlage, Beachsport-Area, Skating-Plaza, Indoor-Spielhalle und Wellnness-Wald heißen nur einige der Mosaiksteine, die den bewaldeten Park zukünftig bepflastern soll. Ein von der Stadt in Auftrag gegebener Masterplan, der spätestens Anfang 2008 vorliegen wird, soll möglichst viele dieser Projekte bündeln. Über eine Verlegung des Tenniszentrums Rotherbaum in den Altonaer Park will der Senat spätestens Anfang kommenden Jahres entscheiden. Und der Neubau einer weiteren Großhalle für Eis- und Ballsport unweit der Color-Line-Arena wurde von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) bereits in der vergangenen Woche verkündet.

„All diese Aktivitäten bedeuten mehr Verkehr, mehr Lärm und die Zerstörung großer Naturflächen“, sagt Gangloff. Da der Volkspark nur über ein paar Buslinien notdürftig an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden ist, befürchtet die Ottenserin vor allem eine drastische Zunahme des Autoverkehrs. Dass ein Großteil des dichten Baumbestandes, der dem Park heute seinen Charakter gibt, für das neue Sportzentrum weichen muss, stehe ohnehin fest – Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter hat den Kahlschlag bereits angekündigt. Doch damit nicht genug: „Die Zahl der öffentlich und kostenlos zugänglichen Flächen wird dramatisch reduziert werden“, fürchtet Gangloff – denn viele der geplanten Sportflächen werden Eintrittsgeld kosten. Gerade für die EinwohnerInnen sozial schwächerer Viertel wie Eidelstedt oder Lurup, die sich teure Ausflüge und Ferienfahrten nicht leisten könnten, aber sei der Volkspark, mit 178 Hektar größer als der Stadtpark, „ein Stück unverzichtbare Naherholung in der Natur“. Den Einwand der städtischen Planer, der Volkspark in seiner heutigen Form sei zu wenig genutzt und müsse deswegen wachgeküsst werden, lässt die Ottenserin nicht gelten. Zum einen gebe es keine verlässlichen Zahlen über die Parknutzung. Zum anderen stellt sie die Frage: „Wer bestimmt eigentlich, wie viele Menschen einen Park besuchen müssen, damit dieser ein Existenzrecht hat?“

Um die Umgestaltung noch zu verhindern, hat die resolute Altonaerin mit einer Handvoll MitstreiterInnen im April das „Volksparkbündnis“ gegründet. Jedes Wochenende verteilt sie Flugblätter auf Märkten und Stadtteilfesten. Allein am Samstag brachte sie auf dem Schröderstiftfest, und den Straßenfesten Bernstorffstraße und Sommerhuder Straße rund 600 davon an die BesucherInnen. „Die Resonanz ist enorm“, sagt Gangloff: „Viele wissen noch gar nichts von diesen Plänen, doch fast alle, die davon erfahren sind empört.“ Über tausend Unterschriften hat die Initiative gegen die Kommerzialisierung des Parks bereits gesammelt, erste Kontakte zu Umweltorganisationen und Naturschutzverbänden aufgenommen. Als nächsten Schritt plant das Bündnis, die PolitikerInnen im Bezirk und im Hamburger Rathaus mit ihren Anliegen „zu nerven“. „Wir stehen erst am Anfang unseres Protestes“, sagt Gangloff.

Kontakt zum Volksparkbündnis: ingridgangloff@aol.com ☎ 040 / 53 79 16 93