Immer Streit mit dem Nachbarn

Ob Holzhandel, Nordwestpassage oder Grenzverkehr – auch unter dem neuen konservativen Premier Stephen Harper bleibt Kanada im Dauerkonflikt mit den USA

BERLIN | taz ■ | Die USA und ihr nördlicher Nachbar liegen im Dauerclinch. Wie das US-Heimatschutzministerium jetzt mitteilte, müssen Einreisende aus Kanada ab dem 8. Januar 2007 Reisepässe mit sich führen, auf denen möglicherweise auch Fingerabdrücke vermerkt sind. Seit im Juni dieses Jahres eine muslimische Terrorzelle in Kanada ausgehoben wurde, fühlt sich die US-Regierung bestätigt. Sie wirft den Nachbarn eine zu liberale Einwanderungspolitik vor.

Bisher mussten Besucher aus Kanada an der unbewachten Grenze häufig nur eine Fahrerlaubnis vorzeigen. Kanadas konservativer Premierminister Stephan Harper befürchtet nun Exporteinbußen, denn im letzten Jahr gingen über 85 Prozent aller kanadischen Ausfuhren in die USA.

Freudig ist in Kanadas Hauptstadt Ottawa hingegen eine Entscheidung der Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen worden. Diese hat einen Teil der US-Strafzölle auf kanadisches Holz als unrechtmäßig erklärt. Washington wirft Kanada vor, das Abholzen in staatseigenen Wäldern verzerre die Preisbildung. Durch diese Form der Subvention unterbiete Kanada mit niedrigen Preisen die US-Holzindustrie. In den letzten fünf Jahren haben die USA deshalb 5,5 Milliarden US-Dollar an Zöllen erhoben. Dieses Geld verlangt Kanada zurück und beruft sich auf das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta.

Ursprünglich hatten die Strategen hinter Nafta gehofft, Kanada und die USA würden sich nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch integrieren. Doch davon ist man derzeit weit entfernt: Bis nächsten Mittwoch noch demonstriert Ottawa mit einem groß angelegten Manöver der Seestreitkräfte seinen Anspruch auf die von der US-Marine regelmäßig unangekündigt genutzte Nordwestpassage. Der legendäre Seeweg zwischen nordkanadischen Inseln hindurch verbindet den Atlantik mit dem Pazifik und verkürzt den Weg von Europa nach Asien gegenüber der traditionellen Route durch den zentralamerikanischen Panamakanal um 4.000 Kilometer. „Wir erkennen Kanadas Anspruch auf diese Gewässer nicht an“, erklärte kürzlich US-Botschafter David Wilkins.

Experten rechnen wegen der Erderwärmung damit, dass die Nordwestpassage demnächst länger eisfrei bleiben wird. Damit wächst die strategische Bedeutung der Route für Öltanker. „Es ist die kanadische Bevölkerung, von der ich mein Mandat bekomme, nicht der US-Botschafter“, entgegnete Harper deshalb ungewöhnlich direkt.

Als internationale Gewässer gelten völkerrechtlich nur Meeresteile, die außerhalb der 12-Seemeilen-Zone zum Festland liegen und traditionell keinem Staatsgebiet zugeordnet werden. Das ist in Kanadas hohem Norden umstritten. Noch im Wahlkampf im vergangenen Januar wurde Harper von der linkssozialdemokratischen NDP vorgeworfen, er treibe die „Amerikanisierung“ Kanadas voran. Der Premier hatte versprochen, das Verhältnis zur US-Regierung zu verbessern, das seit dem Widerspruch der früheren kanadischen Regierung zum Irakkrieg angespannt war.