Erdbeeren to go

EINKAUFEN Schneller geht’s nicht: An der A 7-Ausfahrt Brokenlande zwischen Bad Bramstedt und Neumünster steht ein kleines weiß-rotes Häuschen. Ein Drive-In mit besonderem Angebot

Langsam fährt der dunkelblaue Opel-Kombi auf dem abgegrenzten Weg entlang und hält vor einem großen Schild. Der Fahrer, Mitte 40, Sonnenbrille, liest das Angebot auf der Tafel und bespricht sich mit seiner Frau. „Moin, drei Cheeseburger zum Mitnehmen bitte“, sagt er.

Monika Schmidt ist solche Bestellungen gewöhnt. „Viele Kunden machen diesen Witz“, sagt die 47-Jährige. Die Verkäuferin arbeitet in einem Erdbeer-Drive-In – einem Verkaufsstand an dem die Kunden direkt aus dem Auto heraus Erdbeeren kaufen können. Neben den dunkelroten Früchten gibt es Bonbons, Marmelade und alkoholische Erdbeergetränke zu kaufen.

Teilweise stehen bis zu zehn Autos einer Reihe vor der kleinen Bude. „Das ist sehr wetterabhängig“, sagt Schmidt. Bei gutem Wetter hätten die Leute einfach mehr Lust auf Erdbeeren.

Von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends ist der Stand geöffnet. „Die meisten kommen nachmittags“, sagt Schmidt und füllt das kleine unterhalb des Fensters herausragende Brett mit Früchten auf, das aussieht wie ein Blumenkasten voller Erdbeeren.

Ein paar Kilometer von der Drive-In-Bude entfernt sitzt Constantin Kaack in seinem Bürostuhl und telefoniert. Der 27-Jährige ist der Inhaber des Erdbeerhofes Kaack in Fuhlendorf nahe Bad Bramstedt. Nach seinem Gartenbaustudium hat er den Betrieb von seinem Vater übernommen. Insgesamt 15 Verkaufsstände in der Umgebung tragen seinen Familiennamen. Die Idee für den Drive-In hatte er schon vergangenes Jahr. „Die Leute haben immer weniger Zeit. Vielen ist es nach einem langen Arbeitstag zu umständlich noch einmal extra wohin zu fahren, um Erdbeeren zu kaufen“, sagt Kaack. Deshalb habe er einen Standort gesucht, an dem besonders viele Pendler vorbei kommen. Auf der A7 kurz vor der Ausfahrt Großenaspe weist nun ein großer Schriftzug auf den ungewöhnlichen Erdbeerstand hin.

Während an den bereits seit Jahren bestehenden Verkaufsständen vor allem Stammkunden vorbeikommen, nutzen den Drive-In viele spontan. „Wir haben auch viele Urlauber, die nach Dänemark wollen und sich bei uns schnell einen Snack holen“, sagt Kaack. Außerdem seien die Kunden oft jünger. „Die sind diese Art des Lebensmittelkaufes einfach eher gewohnt.“ Bei älteren Leuten komme es auch schon mal vor, dass sie das Auto gegenüber parken und dann zum Drive-In hinüber laufen.

Das Telefon klingelt wieder. „Ja, ich schick dir was vorbei“, sagt Kaack. Die Erdbeeren sollen möglichst frisch sein, deswegen werden immer nur kleine Mengen zu den Ständen gebracht. „Zwischen der Ernte und dem Verkauf sollen maximal zwei Stunden liegen, damit die Beeren wirklich frisch sind“, sagt Kaack.

Dann ruft Monika Schmidt an. Sie brauche noch eine Ladung frische Erdbeeren. Seit die Sonne richtig scheint, stünden nun viel mehr Autos vor dem Drive-In. „Okay, ich schicke gleich jemanden los. Bis dann“, sagt Kaack und legt auf. JENNY BAUER