Kommentar von ULRICH SCHULTE
Rot-Rot-Grün - so heißt die große Aufgabe des neuen SPD-Chefs in spe. Sigmar Gabriel muss die Sozialdemokratie für ein Bündnis mit der Linkspartei öffnen, Verkrampfungen und Neurosen seiner Partei abbauen und dabei alle Flügel mitnehmen. Dies ist, vorsichtig formuliert, eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.
Es wäre aber falsch, Gabriel, dem hartnäckig das Etikett des politischen Springinsfeld anhaftet, die Fähigkeiten dafür von vornherein abzusprechen. Er hat als Umweltminister bewiesen, dass er sich diszipliniert und hartnäckig in Inhalte einarbeitet. Er ist ein guter Redner und kann Politik glänzend verkaufen. Als Netzwerker ist er ein Mann der Mitte, der sowohl links als auch rechts kann - Hauptsache, es kommt etwas dabei heraus. Er hat einen Landtagswahlkampf mit der Forderung nach der Vermögensteuer bestritten, als Ministerpräsident Niedersachsens verstand er sich bestens mit der Autoindustrie, im Bund mutierte er zum Klimakämpfer. Diese mittige Konturlosigkeit ist eine gute Voraussetzung für eine Orientierung hin zur Linken, weil die SPD dabei auf keinen Fall die Anbindung zur Wählerschaft der Mitte verlieren darf.
Was Gabriel fehlt, ist das integrative Element. Und dies ist ein echtes Manko. Mit keinerlei Hausmacht und einem cholerischen Naturell ausgestattet, wird es schwierig für ihn, die ganze Partei mit auf den Weg in Richtung Linksbündnis zu nehmen. Wobei auch hier die Regel gilt, dass jedes Amt diszipliniert und Fähigkeiten entwickelt. Gabriel ist also ein Risiko für die Resozialdemokratisierung der SPD, gleichzeitig aber auch ihre Chance. Ihm zur Seite steht künftig mit Andrea Nahles eine Generalsekretärin, die die Attacke von dem Flügel führt, von dem sie nötig ist - von links. Für eine personelle Neuaufstellung über Nacht, und genau dies hat die darniederliegende SPD hinter sich, gibt es schlechtere Ergebnisse.

Ulrich Schulte ist Leiter des Inlandsressorts der taz. Foto: Anja Weber
Die unnötige - und gefährliche - Hektik hat im Übrigen der Dritte in der neuen SPD-Troika verursacht, der künftige Fraktionschef. Frank-Walter Steinmeier hat noch am Wahlabend den Anspruch auf die Oppositionsführerschaft angemeldet. Nach einer solchen Niederlage historischen Ausmaßes ist das vermessen. Steinmeier, einer der Architekten der Agenda 2010, verhielt sich, wie Gerhard Schröder es getan hätte. Und von Schröderscher Agenda muss sich die SPD endgültig lösen, will sie überleben.
Bei der Neuwahl am 17. Juni dürfen die Rechten mit dem Einzug ins Parlament rechnen. Die bürgerlichen Parteien des Landes müssten eine Front gegen Rechtsradikalismus bilden. von Jannis Papadimitriou
Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

NRW hat gewählt. Die taz hat sich mal angeschaut, wie kreativ die Parteien waren und was das über die KandidatInnen aussagt.

„Verspätet“ – in Berlin trifft das nicht nur einzelne Flüge, sondern ganze Flughäfen. Und was passiert nun in der Hauptstadt?

Leserkommentare
01.10.2009 16:34 | Florian Müller-Klug
Die SPD muss sich nicht "resozialdemokratisieren", wie man es hier immer wieder liest. Vielmehr muss sie die richtigen Antw ...
01.10.2009 14:46 | Amos
Steinmeier muss weg, wenn sich die SPD behaupten will. Steinmeier gehört, wie Schröder nicht in die ...
01.10.2009 13:35 | Moped City
Eieiei. Mal ganz ehrlich: Gabriel ist nichts anderes als ein Handtaschen-Schröder. Ein professioneller Dumpfschwätzer, der ...