Doris Lessing

Schriftstellerin. 22. Oktober 1919 – 17. November 2013

Als ich Doris Lessing vor etwa zehn Jahren zum ersten Mal persönlich traf, bereitete ich im Auftrag ihres deutschen Verlags eine fünfzehnbändige Auswahl ihrer Werke vor und hatte gerade ihre Autobiografie gelesen. Dort erzählte sie auch von ihrer Jugend im ländlichen Afrika und von ihrer Mutter, die darauf bestand, noch für die Heranwachsende Kleider zu nähen, wie kleine Mädchen sie trugen. Weil da absolut nichts zu machen war, ging die junge Doris mit einer Flinte bewaffnet in den Busch, um Perlhühner zu schießen, die sie anschließend im nächsten Dorf verkaufte. Mit dem so verdienten Geld erstand sie Stoffe, dann übte sie Nähen und schneiderte sich ihre Sachen kurzerhand selbst. Sechs Hühner – zwei Kleider. Siebzig Jahre später saß ich Doris Lessing gegenüber und staunte, wie viel in ihrem alten, schönen Gesicht an diese Fünfzehnjährige erinnerte.

Frei und entschieden, das ist Doris Lessing in ihrem Denken, Handeln und Schreiben gewesen. Ich werde sie sehr vermissen.