Klinikum Mitte drückt aufs Tempo

Betriebsrat drängt auf Senatsbeschluss über den Neubau an der St.-Jürgen-Straße. Der kostet 700 Stellen

Der Betriebsrat des Klinikums Mitte macht Dampf. Ein 15 Meter langes Transparent ließ er gestern neben dem Haupteingang an der St.-Jürgen-Straße anbringen. Noch vor dem Sommer, so die Botschaft, muss der Senat die Ausschreibung des Neubaus für das Klinikum beschließen. Es geht um 185 Millionen Euro – gesucht wird ein privater Investor, der die Summe vorstreckt und dann in einem 30-Jahres-Vertrag aus den Erträgen des Krankenhauses zurückbekommt. Haften soll der Senat.

Erträge gibt es allerdings derzeit nicht, das ist das Problem. 3,3 Millionen Euro Verlust machte das Krankenhaus im letzten Jahr, dieses Jahr werden es deutlich mehr. Und im Jahre 2010 wäre es eine zweistellige Millionensumme, erklärte Betriebsrat Thomas Uhlig – der Konkurs absehbar: „Das größte Risiko ist, nichts zu machen.“

Deswegen also der Neubau. Derzeit gibt es 30 Operationssäle, dezentral über die Klinik-Gebäude verteilt, mit ihren Schichtplänen und technischen Apparaturen. Im Neubau sind 15 geplant, zentral. Statt 56 Stationen soll es nur noch 28 geben. Da werden viele Chefärzte ihr eigenes Reich verlieren, Personal wird überflüssig. das soll so sein – anders wäre die Summe von 25-30 Millionen pro Jahr nicht einzusparen, die erforderlich ist, um den Neubau zu finanzieren.

Die Klinik-Leitung will 700 „Vollzeitkräfte“ (VK) abbauen. Diese Zahl ist noch nicht „geeint“ mit dem Betriebsrat, sagt der Vorsitzende Thomas Hollnagel. Aber schon in den vergangenen Jahren wurden 70 „VK“ pro Jahr abgebaut. Es gäbe nur eine Alternative zum drastischen Personalabbau – ganz schlicht die Beteiligung des Senats an der Investition. Nach Bremerhaven ins Klinikum Rankenheide fließt auch Geld aus der Staatskasse, argumentiert der Verdi-Vertreter Uwe Schmidt.

„Der Arbeitsplatzabbau ist in unseren Augen schmerzlich und nicht unabdingbar“, heißt es in dem Flugblatt des Betriebsrates. Der will mit der Geschäftsführung darüber noch einmal verhandeln. Dabei hätte der Betriebsrat natürlich eine bessere Position, wenn vorher der Beschluss über den „Masterplan“ und den Neubau gefallen wäre.

Wer will denn den Neubau nicht? Auf diese Frage gab es gestern in dem Pressegespräch eher ausweichende Antworten. Offenbar sind die anderen Kliniken der „Gesundheit Nord“ nicht gerade begeistert – sie müssten fürchten, mit zur Kasse gebeten zu werden, wenn die Rechnung am Ende nicht aufgeht. Mit dem Neubau wäre die alte Klinik an der St.-Jürgen-Straße das modernste Krankenhaus Bremens – auch dies können die anderen in Zeiten, in denen man um Patienten konkurriert, nicht uneingeschränkt gut finden.

Vor allem aber scheint der Finanzsenator nicht begeistert zu sein. Im Aufsichtsrat hat er einmal berichtet, er könne sich Summe von 100 Millionen Euro beim Verkauf der kommunalen Kliniken vorstellen. Das ist einem Finanzsenator natürlich lieber als eine „Patronatserklärung“ für eine unsichere 185 Millionen Euro-Investition.