Lächelpause für den Ex-Geschäftsführer

Im Betrugsprozess um den Bau der Müllverbrennungsanlage Asdonkshof am Niederrhein wird es eng für den ehemaligen Geschäftsführer der Kreis Weseler Abfallgesellschaft. Eine heimische Baufirma wurde offenbar bevorzugt

KLEVE | taz ■ | Zu Beginn des Prozesses trat Hans-Joachim Haustein mit einem Lächeln in den Gerichtssaal: Selbstbewusste Gelassenheit wollte der früheren Geschäftsführers der Kreis Weseler Abfallgesellschaft KWA offenbar signalisieren. Auch heute wird Haustein gewiss lächeln, wenn er gegen neun Uhr den Gerichtssaal der Wirtschaftskammer des Landgerichts Kleve betritt. Doch seine Gelassenheit dürfte geschwunden sein.

Beim Prozess um Untreue, Bestechlichkeit und Betrug beim Bau der Müllverbrennungsanlage Asdonkshof Kamp-Lintfort in den 90er Jahren wird Stück für Stück erkennbar, wie leicht es für die Kamp-Lintforter Baufirma Holstein war, Aufträge zu erhalten und um etwa 3,6 Millionen Euro nach oben zu manipulieren. Und das unter Beteiligung Hans-Joachim Hausteins – sagt zumindestens Klaus-Peter Mondry.

Mondry ist Mitarbeiter des Aachener Planungsbüros Tielke, das für die Entgegennahme der Angebote verantwortlich war. Haustein soll im Sommer 2003 die Anweisung erteilt haben, dass die Firma Holstein die Ausschreibung mit kontrolliert. Das Planungsbüro versorgte die Firma daraufhin per Fax über den Stand der Ausschreibungen. Dass die Baufirma zufällig auch Mitgesellschafter der KWA war, passt ins Bild. Friedrich Holstein, der frühere Geschäftsführer der Firma und Mitangeklagter, hat die Manipulationen schon gestanden.

So gut wie Holstein junior und Mondry erinnern sich nicht alle in dem Prozess. Mondrys Chef, Hermann Hugo Tielke, etwa bleibt ungenau: Ihm sei „vom Gefühl her“ klar gewesen, dass Holstein den Auftrag eh bekommt. Konkret gesagt haben, will das aber keiner. Ein Zeuge sagt: Ein Augenzwinkern habe genügt. Mondry habe den Auftrag bearbeitet, so Tielke – er habe nur ungefähr gewusst, dass Positionen nachgebessert wurden: „Für mich war das alles nebulös.“

Dass Tielke Dichtung und Wahrheit nicht auseinander bekommt, wie er sagt, macht Richter Christian Henckel auch für Tielkes Aussage wirksam: „Ich nehme Ihnen das so nicht ab.“ Dass Tielkes Büro Kooperationsverträge mit Holstein hatte und sogar Gelder für angebliche erbrachte Ingenieursleistungen gezahlt hat? „Wenn man für jemanden arbeitet, ist klar, dass man den unterstützt“, sagte Tielke. Der Richter spricht von Steuerhinterziehung.

Die Rolle des Holstein-Seniorchefs Ewald Holsteins ist in dem Wirtschaftskammer-Verfahren am schwersten nachzuweisen. Der Angeklagte schweigt und setzt möglicherweise auf die Fronten innerhalb der Firma aufgrund der Rivalität zwischen ihm und seinem Bruder Wilfried – und auf die bis zu 30.000 Mark an Sonderzahlungen und „Beratungshonoraren“, die an die Firmen-Kalkulatoren flossen.

Das bestätigt einer von ihnen, Friedrich Bernhard Niewerth – „nicht aber im direkten Zusammenhang mit Asdonkshof“. Seiner Aussage nach habe Ewald Holstein das Verfahren Asdonkshof an sich gezogen. Später sagt er, der Rücklauf über die Kalkulation sei nur von Wilfried Holstein gekommen. Ein anderer Zeuge sagt aus, bei so großen Projekten seien grundsätzlich beide Brüder „dran gewesen“. Das Gericht sah von einer Vereidigung des Zeugen Niewerths ab, bezweifelt dessen Aussage.

Für Hans-Joachim Haustein ist der heutige Prozesstag besonders wichtig: Vielleicht wird er auch eine schon angekündigte Erklärung abgeben, insbesondere um die Aussagen von Mondry zu entkräften. Gelingt Haustein das nicht, könnte das Verfahren für ihn mit einer Haftstrafe enden.