Eine Versicherung für al-Qaida

Seit gestern stehen drei Männer arabischer Herkunft in Düsseldorf vor Gericht: Sie sollen Lebensversicherungen abgeschlossen haben, deren Auszahlungen al-Qaida zugute kommen sollten. Die Angeklagten schweigen bisher zu allen Vorwürfen

Wollten in Deutschland lebende Dschihadisten per Lebensversicherungsbetrug al-Qaida sponsern? Über diese etwas ungewöhnliche Frage verhandelt seit gestern der 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Auf der Anklagebank im Hochsicherheitstrakt am Kapellweg sitzen drei Männer arabischer Herkunft im Alter zwischen 29 und 33 Jahren.

Zwei von ihnen, dem 30-jährigen Ibrahim Mohammed Khalil und dem 32 Jahre alten Yasser Abou Shaweesh, wirft die Bundesanwaltschaft vor, Mitglieder von al-Qaida und damit einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu sein. Der Dritte, Ismail Abou Shaweesh, der 29-jährige jüngere Bruder Yassers, ist wegen Unterstützung des Terrornetzwerks angeklagt.

Gemeinsam soll das Trio versucht haben, das Who’s who der deutschen Versicherungswirtschaft zugunsten von al-Qaida abzuzocken: Neun Verträge über eine Gesamtversicherungssumme von über 1,3 Millionen Euro hatte der staatenlose Palästinenser Yasser Abou Shaweesh bis zu seiner Festnahme im Januar 2005 auf sein Leben abgeschlossen. 24 weitere Versicherungsanträge liefen noch. Um an das Geld zu kommen, sollen die Angeklagten geplant haben, einen tödlichen Verkehrsunfall in Ägypten zu fingieren. Danach habe der Bonner Medizinstudent als Selbstmordattentäter in den Irak reisen wollen.

Davon geht zumindest die Bundesanwaltschaft aus. Ihre Erkenntnisse zieht sie dabei fast ausschließlich aus Abhörprotokollen von Gesprächen, die der Angeklagte Khalil in seiner Mainzer Wohnung geführt hatte. Sie dienen auch für einen weiteren Anklagevorwurf: Der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagende Khalil soll – erfolglos – versucht haben, nukleares Material von einer in Luxemburg ansässigen islamistischen Gruppierung zu besorgen.

Doch wie beweisrelevant sind die abgehörten Gespräche? War Khalil, der angeblich ein Al-Qaida-Trainingslager in Afghanistan absolvierte und auch an der Seite von Ussama Bin Laden gegen die US-Militärinvasion kämpfte, tatsächlich in die Kommandoebene der, so Oberstaatsanwalt Horst Salzmann, „Speerspitze des globalen Dschihad“ eingebunden? Oder ist er vielleicht auch einfach nur ein Aufschneider, der Märchen aus Tausendundeinernacht erzählt habe, wie die Verteidigung meint?

Bislang weiß die Anklagebehörde jedenfalls nicht einmal genau, mit wem sie es eigentlich zu tun hat: Als sie Khalil festnehmen ließ, ging sie noch davon aus, er sei irakischer Staatsbürger. Nun glaubt sie, er sei „vermutlich“ Syrer. Auf eine entsprechende Nachfrage des Vorsitzenden Richters Ottmar Breidling antwortet Khalil geradezu trotzig: „Man kann sagen, was man will: Ich bin Iraker.“ Vielleicht heißt Khalil auch gar nicht Khalil: Seit seiner Ersteinreise in die BRD 1997 hat er diverse Namen verwendet. Dazu will er sich allerdings nicht äußern. Ebenso wenig wie zu den Anklagevorwürfen. Auch seine beiden Mitangeklagten schweigen. Bis Oktober will der Staatsschutzsenat nun in 52 Verhandlungstagen die Wahrheit herausfinden. Es wird kein leichtes Unterfangen.