unterm strich

Es gibt Debattenbedarf in der Literaturkritik (siehe taz von gestern), aber höchstwahrscheinlich ist der nichts gegen das, was demnächst auf den Literaturbetrieb zukommt. Die Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser e. V. (GASL) hat die wahre Autorenschaft des Romans „Die Blechtrommel“ entschlüsselt: Der Roman ist nicht von Günter Grass geschrieben worden, sondern von Arno Schmidt. Die Bargfelder Arno Schmidt Stiftung mochte dazu auf Anfrage der taz noch keine Stellung zu nehmen, auch Günter Grass schweigt. Die GASL hatte Schmidt als Autor des 1959 erschienenen Romans anhand von Zitaten aus Schmidts Opus magnum „Zettels Traum“ ausgemacht. „Ein Knabe hatte begonn’n, Uns, auf Rollschuhen, zu begleitn; wozu er eine kleine=umgehängte Trommel nachdrücklich zu schlagn wußte, daß P sehr bald steh’n blieb, und zischte): „Den könnt’ Ich kill’n! -“. („Zettels Traum“, Seite 981)

Es habe zu Schmidts Arbeitsweise gehört, Personal aus seinen früheren Arbeiten als Randfiguren in neueren auftreten zu lassen. Einen weiteren Beleg für Schmidts Autorenschaft der „Blechtrommel“ sieht die GASL in der ebenfalls auf Seite 981 vermerkten und vom Autor unkorrigiert gebliebenen Aufforderung -: stier Mich nich so graß an!“

Schon aus materieller Not habe der notorisch unpopuläre Arno Schmidt, insbesondere in den Fünfzigerjahren, sich mit seinen Arbeiten unter sein Niveau begeben müssen, habe aber andererseits seinen guten Namen schützen wollen. Von ausgewiesenen Arno-Schmidt-Kennern wurde die Entdeckung der GASL am Rande der vorgestern im Schiller-Nationalmuseum in Marbach eröffneten Ausstellung „Arno Schmidt? – Allerdings!“ als „alter Hut“ abgetan. Am Montag mehr dazu auf unseren Kulturseiten.