16 internationale Organisationen fordern in einem Bericht aus Anlass des ersten Jahrestags des Gazakriegs, die israelische Abriegelung des Küstenstreifens zu beenden.von GEORG BALTISSEN

Die Armut im Gazastreifen hat laut den Hilfsorganisationen sprunghaft zugenommen. Bild: ap
BERLIN taz | Die internationale Gemeinschaft hat die Bevölkerung des Gazastreifens verraten und in ihrem Elend allein gelassen, weil sie nichts unternommen habe, um die israelische Blockade des Küstenstreifens zu beenden.
Diesen Vorwurf erheben 16 internationale Hilfsorganisationen, darunter medico international, Oxfam und Amnesty International, in einem Bericht aus Anlass des ersten Jahrestags des israelischen Einmarschs unter dem Namen Operation "Gegossenes Blei". (www.medico.de) Die Abriegelung des Gazastreifens sei eine völkerrechtswidrige Maßnahme, die die gesamte Bevölkerung für die Taten einiger weniger bestrafe, heißt es in dem Report. Beim israelischen Kriegszug gegen die in Gaza herrschende Hamas, der am 27. Dezember 2008 begann, wurden mehr als 1.400 Palästinenser und 13 Israelis getötet.
Noch immer seien der Wiederaufbau und die Beseitigung von Kriegsschäden im Gazastreifen nicht möglich, weil Israel seit Ende der Offensive Mitte Januar lediglich 41 Lkw-Ladungen mit Baumaterial nach Gaza zugelassen habe. Benötigt würden aber tausende von Lkw-Ladungen. Die Einfuhr von Materialien wie Zement und Glas werde aber von Israel unterbunden. Israel rechtfertigt die seit Juni 2007 dauernde Blockade und die Einfuhrverbote bislang damit, dass diese Materialien von der Hamas für militärische Zwecke benutzt werden könnten.
"Die Weltmächte haben händeringend Erklärungen abgegeben, aber keine wirksame Aktion ergriffen, um diese verheerende Politik zu beenden", erklärte der Direktor von Oxfam, Jeremy Hobbs, gegenüber der Presse. Bisher habe erst ein Bruchteil der Schäden an Häusern, Infrastruktur und öffentlichen Einrichtungen repariert werden können. Laut dem Bericht leiden 90 Prozent der Bevölkerung unter Stromausfällen von vier bis acht Stunden pro Tag. Durch diese werde auch die Wasserversorgung unterbrochen.
Die Armut im Gazastreifen habe sprunghaft zugenommen. 80 Prozent der Menschen seien von Hilfe abhängig, erklären die Hilfswerke. Durch den Krieg im Januar seien 17 Prozent der Agrarfläche samt Gewächshäusern und Bewässerungssystemen zerstört. Weitere 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen seien durch die Erweiterung der israelischen Sperranlagen verloren gegangen. Die 16 Hilfsorganisationen fordern die Europäische Union auf, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um die Blockade des Gazastreifens zu beenden.
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Leserkommentare
05.01.2010 12:59 | aso
@ Tom: ...
04.01.2010 18:04 | Tom
An aso: Weniger Leuten glauben die etwas behaupten, sondern das aktuelle Recht dort akzeptieren. Die Hamas hat derlei zurüc ...
03.01.2010 20:19 | aso
@ Tom: ...