Geteiltes Kaschmir

Kaschmir ist von alters her ein wichtiges Verkehrs- und Handelszentrum: Dort kreuzten sich die Karawanenstraßen zwischen Vorder-, Zentral- und Südasien. Und er liegt an der Schnittstelle dreier großer Religionen: des Hinduismus, des Buddhismus und des Islam. Zur britischen Kolonialzeit war Kaschmir ein halb autonomes Fürstentum; mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, aber unter der Regierung von hinduistischen Maharadschas. Nach der Teilung des Subkontinents in Indien und Pakistan führten die beiden neuen Staaten 1949 einen ersten Krieg um die Region, der mit einer faktischen Teilung Kaschmirs endete. Zwei Drittel kamen zu Indien, ein Drittel zu Pakistan; dazwischen 500 Kilometer Waffenstillstandslinie unter UNO-Mandat. Seither ist Kaschmir Konfliktzone. 1965 folgte ein zweiter Krieg. Immer im Frühjahr nach der Schneeschmelze kommt es zu Scharmützeln. Vom pakistanische Teil sickern islamistische Terrorgruppen in den indischen Teil, die dortige Armee reagiert mit Repression gegen die Bevölkerung. Seit 1990 sind in diesem Krieg niedriger Intensität über 100.000 Menschen getötet worden. Eine von der UNO geforderte Volksabstimmung über die Zukunft des Kaschmir hat nie stattgefunden. Das Ergebnis wäre vorhersehbar: Die Bevölkerung würde sich weder für Indien noch für Pakistan, sondern für die Unabhängigkeit entscheiden. Am 8. Oktober 2005 zerstörte ein Erdbeben der Stärke 7,6 vor allem den pakistanisch verwalteten Teil Kaschmirs. Rund 85.000 Menschen starben. KEP