Eigentlich ein Lieber

Berlinale Star-Album (4): Oktay Özdemir

Geboren 1986 in Berlin-Kreuzberg. Mitglied beim dortigen Kinderzirkus Cabuwatzi, wo er mit 15 bei einem Casting als Schauspieler entdeckt wurde.

Schön, dass er da ist? Der schwarze Django-Hut sitzt ein wenig schief auf den braunen langen Haaren – gerade so wenig, dass es nach „nicht gestylt“ aussieht. Ein erstes Grinsen. Es wird bleiben. Oktay Özdemir tuschelt nach rechts, wo Claus Boje, Produzent des Films „Knallhart“, Zigarette nach Zigarette raucht. Er schnorrt eine. Bis zur ersten Frage an den deutschtürkischen Jungschauspieler wird es noch ein paar Zigaretten dauern, aber dann kommt sie. Heyheyhey. „Was war das für eine Erfahrung für Sie?“ Özdemir, der im Film einen gewalttätigen Erpresser-und-Mobber-Loser spielt, lümmelt sich ans Mikro. Und sagt, wie es war und wie es ist:

1. „Ich kenn die ganze Scheiße da, war nicht so aufregend. Aber ich hab eine Menge geile Leute kennen gelernt.“

2. „Klar, wenn’s sein muss, wehr ich mich gerne, aber ich bin kein dummer Klopper.“

3. „Ich hoffe, in Zukunft nicht nur mit den Scheiße-Rollen besetzt zu werden. Ich bin ja eigentlich ein ganz Lieber.“

Verdient einen Bären für: die perfekte Intonation des diskriminierenden und auf keinen Fall zu tolerierenden Wortes „Opfa“. Oder doch vielleicht stellvertretend für das Selbstbewusstsein eines Teils des deutschen Films, der es ganz ohne „Wir sind Star“ in die Kinos und auf Festivals schafft? Ach was.

Sein perfekter Filmdialog: Ein Plattenbau in Neukölln, er steht davor, mit zwei Plastiktüten und einer Windelpackung in den Händen, und brüllt nach oben, zu einem Mädchen, das hinter der Balkonbrüstung hervorschaut. „Lass mich rein, komm schon“. Sie kreischt zurück. „Verpiss dich, du Opfer, denk vorher dran, dass man vom Ficken Kinder kriegt, ich hab keinen Bock mehr, du Opfer du“. Er: „Ey, du blamierst uns hier, voll krass ey. Komm lass mich rein.“ Sie schreit noch einige Male „Du Opfer“ u. ä. Wirft dann den Schlüssel nach unten.

Paparazzi werden: sich nicht weiter für ihn interessieren, solange er im echten Kreuzberger Leben „ordentlich Basketball spielt“ statt „Scheiße zu bauen“.

Darf er 2007 wiederkommen? Na, hoffentlich kommt er wieder! Und vielleicht diesmal sogar ja als Good Guy.