kein kommentar

Auf ein Neues

Die Bundesregierung gründet zur Abwechslung mal wieder eine „Initiative Digitaler Rundfunk“

Es war einmal, in grauer Vorzeit, da trafen sich noch zu Zeiten des großen Oberhäuptlings Helmut II. die Medizinmänner des heraufziehenden digitalen Zeitalters samt ihren Handlangern zum großen Tamtam ganz unter Ausschluss des gemeinen Volks und auch ohne irgendwelche Vertreter des großen Palaverrats.

Sie beschworen die Zukunft mit all ihren neuartigen Fetischen – der digitalen Draufstellkiste oder der digitalen Buschtrommel für die auch in weiter Entfernung hörbare Musik.

Die „Initiative Digitaler Rundfunk“ (IDR), von der hier die Rede ist, das ist ein kleiner, aber feiner Klüngel aus Vertretern der Geräteindustrie, der Telekommunikationswirtschaft, einigen Verbandsmanagern, Regulierern und Cheftechnikern aus den Rundfunkanstalten. Und als bunter Tupfen obendrauf einem einzigen Vertreter der Nutzer, nämlich der Verbraucherverbände. Damit man hinterher auch immer schön sagen kann, dass die Verbraucherverbände ja nix dagegen hatten.

Man trifft sich seit Jahren auf Einladung des Bundeswirtschaftsministeriums und bespricht Strategien, wann und wie man digitale Dienste einführt und analoge abstellt. Im einen oder anderen Fall hat das sehr gut geklappt: Die Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens in den deutschen Ballungsräumen ist sicherlich eine Erfolgsgeschichte, wie sie sich selbst die IDR-Mitglieder wohl in ihren kühnsten Träumen nicht haben vorstellen können.

Demgegenüber dümpeln UMTS und Digitalradio weiter vor sich hin. Und schon soll Fernsehen auf dem Handy über neuartige Rundfunktechnologien wie DVB-H und DMB eingeführt werden.

Außer einem „Startszenario“ aus dem Jahre 2000, in dem übrigens die Überprüfung mancher Vorschläge für das Jahr 2003 angekündigt (und dann nie durchgeführt wurde), hat die Öffentlichkeit von der IDR eigentlich nicht viel mitbekommen.

Stattdessen gab es im letzten Herbst einen „Sachstandsbericht“, der nur noch „in Zusammenarbeit mit Beteiligten“ erstellt worden war. Die verschiedenen Interessen waren eben nicht mehr so einhellig wie noch vor neun Jahren.

Heute tagt die IDR mal wieder im Wirtschaftsministerium. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) höchstpersönlich eröffnet die Sitzung, und zum Ende soll dann beschlossen werden, dass die Initiative einen Neustart, womöglich unter einem neuen Namen wagen will: alter Wein in neuen Schläuchen. Parlamentarier oder eine sonst wie kontrollierende Öffentlichkeit weiterhin ausgeschlossen.JÜRGEN BISCHOFF