Der grüne OB schickt die grüne Minna

Räumungsbeschluss und Beschlagnahme: Freiburgs Oberbürgmeister Salomon kämpft gegen Wagenburgbewohner

FREIBURG taz ■ Studenten, Auszubildende, Selbstständige, Arbeitslose: Die Gruppe ist so gemischt wie der Rest der Freiburger Bevölkerung. Nur wollen sie gern einer anderen Lebensform nachgehen. Statt in einer Wohnung oder einem Haus möchten sie im Bauwagen oder im Lkw wohnen. Doch seit einigen Wochen leben viele von ihnen in einem Keller, andere in der Wohung von Freunden. Die Bauwagen wurden beschlagnahmt – auf Beschluss des Rathauses, das vom grünen Oberbürgermeister Dieter Salomon geleitet wird.

Nun stehen rund 30 ausgebaute Last- und Bauwagen eingezäunt bei verschiedenen Freiburger Abschleppunternehmen auf dem Hof. „Einen Teil unserer persönlichen Sachen durften wir aus den beschlagnahmten Fahrzeugen holen“, sagt Sarah Heinlin, „nachdem wir einen Antrag ausgefüllt hatten, in dem wir genau auflisten mussten, wie viele von unseren Socken wir zum Beispiel mitnehmen.“ Die 26 Jahre alte Studentin der Politologie mit den blonden Rastalocken lebt seit drei Jahren in einem Bauwagen.

Seit Jahren fehlt den so genannten Schattenparkern in Freiburg ein Platz. Zuletzt hat das Rathaus die Gruppe auf einem städtischen Grundstück geduldet. Nachbarn fühlten sich jedoch gestört. Lärm, frei laufende Hunde, qualmende Öfen: Die Stadt reagierte auf die Beschwerden mit einer Räumungsverfügung, die auch das CDU-geführte Regierungspräsidium bestätigte. Schließlich verließen die Wagenburgler freiwillig das Gelände.

Das war Ende November. Seither besetzten sie andere Grundstücke in Freiburg. Doch immer nur für kurze Zeit: Das Rathaus schickte jedes Mal Mannschaftswagen der Polizei. Man könne die Gruppe nicht einschätzen, da es keine klaren Absprachen gebe, erkärte die Polizei ihr Misstrauen. „Die Stadt versucht uns zu Kriminellen zu machen, die wir gar nicht sind“, sagt Wagenburgvertreter Bernd Welte.

Die Gruppe ist bereit, eine Pacht zu bezahlen. Doch die Verwaltung blockt ab. Denn: Es gibt einen knapp zehn Jahre alten Ratsbeschluss, der besagt, dass es in Freiburg keinen weiteren Wagenburgstellplatz geben soll. Schließlich hat die Stadt bereits zwei offizielle Plätze. Sie entsprechen aber nicht den Vorstellungen der „Schattenparker“ nach einem selbst verwalteten Leben – etwa weil dort ein Sozialarbeiter die Bewohner betreut. Zudem gibt es nur 11 freie Plätze, die nicht für die über 30 Fahrzeuge reichen. Ein Privatgrundstück wurde bisher nicht gefunden.

Mittlerweile regt sich in Freiburg Widerstand gegen die Linie des Rathauses. Eine Bürgergruppe vermittelt zwischen den Fronten. Einige grüne Stadträte stellen sich gegen ihren Oberbürgermeister. Doch selbst zu Weihnachten ließ Salomon nicht mit sich reden: Die Wagenburgler mussten ohne ihre mobilen Wohnungen die Feiertage verbringen. BEATE BEULE