JÜRN KRUSE ÜBER BBC-REPORTER IN NORDKOREA

Keine Info ohne Risiko

Die BBC hat drei Fernsehreporter undercover nach Nordkorea eingeschleust. Ihre Tarnung: eine studentische Reisegruppe der London School of Economics. Die Universität regt sich nun auf: Ihre StudentInnen seien als „menschliche Schutzschilde“ missbraucht worden. Die ForscherInnen seien nicht umfassend informiert gewesen. Die Ausstrahlung der Sendung „Panorama“ auf BBC One müsse unterbleiben.

Da stellen sich zwei Fragen: Darf das unter diesen Umständen gedrehte Material gezeigt werden? Und hätte Reporter John Sweeney aus journalistisch-ethischer Sicht das Leben der Mitreisenden derart in Gefahr bringen dürfen? Klare Antwort: ja.

Das öffentliche Interesse an Informationen aus dem Reich des Kim Jong Un ist ein derart hohes Gut, dass es schwerer wiegt als die Bedenken wegen der zugegeben riskanten Methode, mit der die Bilder und Informationen beschafft wurden. Zumal die Reiseteilnehmer verpixelt werden, wenn sie das wünschen.

Die Gefahren waren den StudentInnen durchaus bekannt. Sie sollen noch vor der Abreise informiert worden sein, auch über mögliche Bestrafungen durch das Regime, wenn Sweeney und seine MitstreiterInnen enttarnt würden. Zwar nicht in vollem Umfang – auch zum eigenen Schutz, falls die Reporter auffliegen –, aber doch so umfänglich, dass von MitarbeiterInnen und StudentInnen einer Elite-Uni erwartet werden kann, dass sie auf die Reise verzichtet hätten, wenn ihnen das Unterfangen zu gefährlich erschienen wäre.

Wie sollen wir sonst an Informationen gelangen aus einem totalitären Reich, das gerade der Welt mit einem Atomkrieg droht? Mit passendem Visum und Bahnsteigkarte, ausgestellt mit Foto und Nummer des Presseausweises? So funktioniert Journalismus in Diktaturen nicht.

Flimmern + Rauschen SEITE 18