Energiewende in Griechenland

Solarstrom in Bürgerhand

In Griechenland scheint an über 300 Tagen im Jahr die Sonne, doch das Land setzt auf Braunkohle. Jetzt wollen Bürger die Selbstversorgung.

Solaranlagen – wie diese auf Kreta – gibt es in Griechenland noch viel zu selten. Bild: imago/ecomedia/robert fishman

BERLIN taz | Der Sonnengott Helios ist Griechenland sehr gnädig. Dennoch wühlen sich die Räder der Braunkohlebagger weiter ins Innere der zwei großen griechischen Tagebaue in Ptolemaida und Megalopolis. Das nach dem Sonnengott benannte große Solarpark-Projekt hingegen liegt brach. Mit Helios wollte Griechenland erneuerbaren Strom bis nach Deutschland liefern. 2015 sollte es losgehen. Heute schweigt man über das Milliardenprojekt – von deutscher wie griechischer Seite. Die Schuldenkrise und Bürgerproteste ließen die Idee eines Zehn-Gigawatt-Kraftwerkes platzen.

Die griechische Braunkohle gehört zu den ineffizientesten und damit dreckigsten Sorten weltweit, die Inseln importieren klimaschädlichen Diesel. Im Vergleich dazu spielt Erdgas noch eine geringe Rolle. Für Umwelt und Klima ist der griechische Energiemix Gift, den krisengebeutelten Staat belastet seine Energieversorgung aber vor allem auch finanziell. Seine Ölimporte etwa kosten ihn jetzt schon jährlich 400 Millionen Euro. Was passiert, wenn die griechischen Kohlereserven irgendwann aufgebraucht sind, ist unklar.

Die neue griechische Regierung redet gern von grüner Ökonomie und Erneuerbaren, hat aber bereits ein neues Kohlekraftwerk auf den Weg gebracht. „Die billigste Energiequelle ist und bleibt die Kohle“, erklärt Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis (Syriza). „Bei der Energieversorgung der Zukunft fehlt Griechenland noch der Masterplan“, räumt er aber ein. Man wolle mehr Erdgas importieren, um aus Umweltgründen das Erdöl überflüssig zu machen. Und: „Natürlich wollen wir mehr auf erneuerbare Energien setzen.“

Doch dafür braucht es auch in Griechenland einen Netzausbau. Der ist teuer, und die bestehenden Netze sind weitgehend veraltet. Wo die Politik noch reichlich konzeptlos daherkommt, haben Bürger schon mal nachgedacht und gehandelt: Die Insel Sifnos, rund fünf Fährstunden von Athen entfernt, will sich als erste griechische Insel zu 100 Prozent erneuerbar versorgen.

„Wir übernehmen die Netze, wenn man uns nur lässt“

Bereits 80 der 2.500 Bewohner haben sich zu einer Bürgerenergiegenossenschaft zusammengeschlossen und Geld gesammelt. Es ist eine von dreien, die in Griechenland in den vergangenen Jahren gegründet wurden. „Wir übernehmen die Netze gern, wenn man uns nur lässt“, erklärt Apostolos Dimopoulos, Gründer der Insel-Genossenschaft. „Wir haben hier das Meer, Sonne und Wind – und nichts davon nutzen wir für unsere Energieversorgung“, sagt Dimopoulos.

Wie auf allen anderen über 100 bewohnten griechischen Inseln wird die Energieversorgung von Sifnos bisher mit Diesel sichergestellt. Das wollen Dimopoulos und seine Mitstreiter ändern. Bald soll ein Wellenkraftwerk die Entsalzungsanlage der Insel mit Strom versorgen, ein Solarpark entstehen und es sollen drei traditionelle Windmühlen mit Turbinen ausgestattet werden.

„Die dezentrale Nutzung erneuerbarer Energien kann vor allem die Inseln unabhängiger von teuren Importen machen“, hofft auch Wirtschaftsminister Stathakis.

Das Bürgerengagement werde allerdings nicht ausreichen, warnt Greenpeace-Kampagnenleiter Dimitris Ibrahim. „Für eine richtige Energiewende brauchen wir neben den Bürgerkraftwerken auch mehr große Projekte.“ Zwar hat Griechenland seit 2010 eine Art Energiewende-Gesetz, das bis zum Jahr 2020 einen Erneuerbaren-Anteil von 20 Prozent im ganzen Energiemix und von 40 Prozent im Stromsektor als Ziel setzt. „Unseren Gesetzen fehlen aber die konkreten Maßnahmen“, beklagt der Umweltschützer. „Sie treiben die Regierung nicht dazu, wirklich eine Energiewende einzuleiten.“

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