Saudischer Kopernikus

Die Erde dreht sich nicht

Sheikh Bandar al-Khaibari ist sich sicher: Unser Planet rotiert nicht um die Sonne. Und dafür hat er auch ein prima Argument.

Bei Behauptungen wie denen von Sheikh Bandar al-Khaibari will sich selbst die Sonne wegducken. Bild: ap

BERLIN taz | Wer dachte, es sei klar, dass sich die Erde um die Sonne dreht, der wird jetzt eines Besseren belehrt: Sheikh Bandar al-Khaibari, Teil der Ulama – des islamischen Klerus – in Saudi-Arabien und demnach Lehrbeauftragter an Schulen, beantwortete die Frage eines Schülers, ob sich die Erde bewege oder nicht mit: Nein, sie bewegt sich nicht, sondern ist statisch.

Eine solche These muss natürlich gestützt werden und Herr al-Khaibari weiß auch, wie – durch eine logische Schlussfolgerung nämlich: Wenn man von Saudi-Arabien nach China fliegt, dann würde man ja niemals ankommen, wenn sich die Erde mit dem Flugzeug mitbewegen würde. Würde sich die Erde drehen, würde es ja ausreichen, wenn das Flugzeug einfach in der Luft wartet bis irgendwann nicht mehr Saudi-Arabien, sondern China am Boden auftaucht.

Einen Paradigmenwechsel in der Astronomie wird al-Khaibari mit dieser Erläuterung wohl nicht herbeiführen. Schließlich ist die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums, um den sich alles dreht. Als wissenschaftsfeindlich muss seine These auf jeden Fall abgestempelt werden, zumal er sie ausgerechnet am 451. Geburtstag von Galileo Galilei vom Stapel gelassen hat. Dass seiner Überzeugung eine andere Sicht der Welt zugrunde liegt, bedarf keiner Erklärung.

Nikolaus Kopernikus jedenfalls würde sich wohl mehr als 365 Mal im Grabe umdrehen – so viele Tage braucht nämlich die Erde, bis sie die Sonne einmal umrundet hat.

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