Aktionstag der Moschee-Gemeinden

„Judenhass ist unislamisch“

Für Freitag planen die Islamverbände einen Aktionstag gegen Hass und Gewalt. Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime sagt, worum es dabei geht.

Sucht das Verbindende: Aiman Mayzek beim Besuch der Synagoge in Wuppertal, auf die ein Brandanschlag verübt wurde. Bild: dpa

taz: Herr Mazyek, waren Sie am Sonntag auf der Großkundgebung gegen Antisemitismus in Berlin?

Aiman Mazyek: Ja, richtig.

Warum sind Sie dort nicht als Redner aufgetreten? Das wäre doch eine schöne Geste der muslimisch-jüdischen Solidarität gewesen.

Da mögen Sie den Veranstalter fragen. War wohl nicht eingeplant.

Hat Sie der Zentralrat der Juden denn nicht gefragt?

Das Konzept war wohl ein anderes. Aber wir haben ein Vertrauensverhältnis.

Wirklich? Herr Graumann hat den muslimischen Verbänden in seiner Rede vorgeworfen, sie würden nicht genug gegen Antisemitismus in ihren Reihen tun. Hat er recht?

Man kann sicher immer mehr machen, man kann nie genug tun. Aber wir setzen uns intensiv mit dem Thema auseinander und leisten eine ganze Menge in der Sache. Das wird in den Gemeinden, unter den Imamen und Vorständen breit diskutiert. Und die Friedenskundgebungen zu Gaza, an denen unsere Gemeinden teilgenommen haben, waren allesamt friedlich, da gab es auch keine antisemitischen Misstöne. Wir haben die Kriegspolitik hüben wie drüben kritisiert und klargestellt, dass es hier nicht um einen Konflikt zwischen Juden und Muslimen geht. Antisemitismus widerspricht unserem muslimischen und staatsbürgerlichen Selbstverständnis und ist unislamisch.

45, ist seit 2010 Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Zuvor war er dessen Generalsekretär und Pressesprecher, bis 2010 war auch Redakteur des Webportals islam.de. Der syrisch-deutsche Medienberater lebt in Alsdorf bei Aachen und trat dort 2004 als Kandidat des dortigen FDP-Stadtverbands als Bürgermeisterkandidat an. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Sprechen Sie da auch für die anderen Verbände?

Was ich für die anderen Verbände sagen kann, ist, dass die das auch auf der Agenda haben und dass in ihrem Selbstverständnis kein Platz für Antisemitismus ist. Wie viel Aktivitäten sie entfalten, hängt auch von Ressourcen ab.

Wie viel Einfluss haben die Islamverbände überhaupt auf diese Jugendlichen, die antisemitische Parolen grölen?

Schwer zu sagen. Nicht selten kommen die aus einem eher areligiösen Spektrum. Dieser Al-Quds-Tag zum Beispiel, wo leider auch gegen Israel gehetzt wird, ist ja keine Veranstaltung der muslimischen Gemeinden. Aber man sollte auch nicht den Fehler machen, muslimischen Jugendlichen pauschal Antisemitismus zu unterstellen. Wir müssen da stärker differenzieren.

Juden und Muslime in Deutschland haben eigentlich viel gemeinsam. Trotzdem wirkt es, als habe sich das Verhältnis auch im Alltag in den letzten Jahren abgekühlt. Stimmt das?

Ich würde das so pauschal nicht unterschreiben. Wir haben in der Beschneidungsdebatte zusammengearbeitet und erleben da und dort im persönlichen Austausch immer wieder ermutigende Momente. Aber ich sehe schon, dass viele jüdische Gemeinden Angst haben, und ich nehme das ernst. Darum muss man verstärkt Anstrengungen unternehmen, um aufeinander zuzugehen. Natürlich sind solche Konflikte und Kriege wie im Nahen Osten und im Irak immer auch ein Rückschlag, weil sie polarisieren und weil damit menschliche Tragödien einhergehen. Wir lassen uns davon aber nicht entmutigen.

Die großen Islamverbände rufen jetzt gemeinsam für diesen Freitag zu einer Kundgebung „gegen Hass und Unrecht“ auf. Worum geht es dabei?

Wir haben unser Motto bewusst gewählt, um aufmerksam zu machen auf die Gewalt, die Muslime leider auch in unserem Land erleiden, zum Beispiel durch Brandanschläge auf Moscheen. Wir wollen auf die Gewalt aufmerksam machen, der sie und andere Menschen im Nahen Osten, im Irak und anderswo ausgesetzt sind. Und wir wollen aufmerksam machen auf den Missbrauch unserer Religion durch Verbrecher und Terroristen und wie wir dazu stehen. Wir laden deshalb im Anschluss an unser Freitagsgebet in über 2.000 Moscheen zu Friedenskundgebungen und Mahnwachen ein. Da wird es kurze Ansprachen geben von muslimischer Seite, von Vertretern von Kirchen, Politik und Zivilgesellschaft – und das Gebet eines Imams, auf Deutsch, für den Frieden in der Welt und in unserem Land.

Wie ist die Resonanz von Politik und Öffentlichkeit?

Wir sind zufrieden. In Hannover hat sich Bundesinnenminister de Maizière angekündigt, in München die Integrationsbeauftragte des Bundes, Frau Özoguz. Der Innenminister Schleswig-Holstein, Andreas Breitner, kommt nach Mölln. Und in der Mevlana-Moschee in Berlin, auf die von Unbekannten ein Brandanschlag verübt wurde, wird der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nicolaus Schneider, erwartet.

Man hat ein wenig den Eindruck, jede Gruppe demonstriert für sich: Juden gegen Judenhass, Muslime für ihre Anliegen, Jesiden gegen ihre Verfolgung im Irak. Wie kann es gelingen, eine breite Koalition gegen jede Form der Menschenfeindlichkeit zu schmieden?

Vielleicht müssen alle erst einmal etwas selbst gemacht haben, um dann festzustellen: hoppla, am besten wäre es, wenn wir etwas gemeinsam machen würden. Ich bin dafür zu haben – eher gestern als heute.

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