WAHRE SCHREIBTISCHE. HEUTE: ILKE S. PRICK – ODER WARNUNG DER WACHSAMEN KUGELMUSE VOR DEM STROMAUSFALL IN DER SCHREIBKÜCHE

Jeder Koch hat seine Mise en place, seine eigene Art, in der Küche den persönlichen Arbeitsplatz einzurichten mit Gewürzen und Kochgeräten und allerlei Dingen, die zum Gelingen eines Gerichts notwendig sind. Auch Autoren und Schriftsteller inszenieren ihre Schreibtische nach sehr eigenen Vorstellungen. Die Wahrheit hat sich an den Arbeitsplätzen ihrer Köche umgesehen.

Dass zum Verfassen von Texten nicht unbedingt ein großer Schreibtisch in einem großen Büro nötig ist, zeigt der Tisch von Ilke S. Prick. Ihr Arbeitsplatz ist die Küche mit dem vollen Programm: Zwiebeln hacken, Kartoffeln schälen, Kohlrabi zerkleinern. Wie gut, dass der moderne Notebook-Rechner (1) verstellbar ist – wenn gekocht wird, stellt sie ihn woandershin. „Ihr Ziel ist fast erreicht!“ – die Weisheit im täglichen Glückskeks (2) spornt an. In aller Ruhe Tee trinken (3), dabei noch einen kurzen Blick ins Terminbuch (4) werfen, und vor allem das Zensorenduo (5) gütig stimmen. Im harten Winter werden die jetzt mit einem echt hawaiianischen Aloha-Kranz umhüllten Kritikerkatzen in einen Strumpf gesteckt, der eisigen Kälte wegen.

Erst dann startet Frau Prick ihre heutige Schreibrunde. Mit dabei: küchentypische Accessoires auf der Fensterbank, zum Beispiel die aus Belize im Rucksack mitgebrachte Muschel (6) mit Perle sowie das Utensilienglas (7) mit Stiften, Schere und Gemüsemesser. Über allem wacht die Muse (8); sie hat eine Kristallkugel, deshalb kann nur sie allein in die Zukunft blicken. In der Ecke stehen ein paar Kerzen (9) – es ist doch wohl kein Stromausfall zu befürchten? Das schwedische Patenkind (10) schaut amüsiert, denn die schöne Kette mit Sonnenblumenlampen (11) hilft eher dem Ambiente als der Helligkeit am Arbeitsplatz. Aber was hat der Deckenspiegel (12) hier zu suchen? Und dann noch in der Küche?

Notizbuch, Wörterbuch und Büchereibuch (13) sind beim Schreiben immer dabei. Ebenso die Butterglocke (14), aber das ist gefährlich wegen potenzieller Fettflecken. Neben regelmäßigen Wahrheit-Kolumnen, zum Beispiel über Heidis Klumpen, schreibt Frau Prick gerade an einem neuen Buch (15). Es ist fast fertig, dennoch will sie Titel und Inhalt noch nicht verraten. Schon ihr letztes Buch, „Zimt und Honig“, hat sie – wie der Titel vermuten lässt – in der Küche geschrieben. Trotz köstlicher Glückskekse enthält es jedoch keine Rezepte für Weihnachtsgebäck. Im zweiten Keks lag der Zettel „Girls have more fun“, und genau darum geht es in ihrem Buch. Es ist für Mädchen ab 12 und handelt von Suche, Zweifel und Verzweiflung, komischen Brüchen und dem Rückfall ins Zickendasein. Und für dieses Themenspektrum ist die Schreibküche genau der richtige Ort.