Nils Ohlsen, Museumschef

Der Norweger

Dieser Mann passt fast schon zu gut nach Norwegen: Läuft passioniert Ski und hat schon halb Norwegen durchpaddelt. Jetzt wird Nils Ohlsen, der seit 1998 die Kunsthalle Emden leitet, Chef der älteren Abteilung der Osloer Nationalgalerie. Kunst von der Romantik bis 1950 soll er dort betreuen und „noch mehr zum Glänzen bringen“.

■ hat in Emden Aktmalerei des 20. Jahrhunderts und die New Yorker Künstlerin Joan Mitchell präsentiert.

Das ist aber eigentlich nicht nötig, liebt doch fast jeder Norweger die Nationalromantik, in der das Nationalbewusstsein erwachte, das 1905 in die Gründung des norwegischen Staates mündete. Aber die Anordnung der Bilder in der Nationalgalerie sei eigenwillig, sagt Ohlsen: „Da haben Sie erst zehn Räume mit norwegischer Kunst, dann zwei mit französischer und so weiter.“ Provinziell möchte er diese fast nationalistische Sortierung zwar nicht nennen. Aber einen Bedarf an Durchmischung sieht er schon: „Man muss das natürlich behutsam machen. Aber wenn es didaktisch vermittelbar ist, kann man durchaus norwegische Kubisten zwischen Picasso und Braque hängen.“

Eine längst fällige Internationalisierung, die der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung des Landes entspreche. Die Eröffnung des neuen Osloer Opernhauses 2008 war ein Schritt in diese Richtung; 2016 soll die Kunst folgen: Ein neues Gebäude soll dann die Nationalgalerie und zwei weitere Museen an der Westseite des Oslo-Fjords vereinen. Das sei allerdings umstritten: „Die Leute diskutieren sehr emotional, warum die Nationalgalerie – ein Bau des 19. Jahrhunderts – nicht mehr gut sein soll. Das verstehe ich.“

Man glaubt es ihm – und auch, dass er die norwegische Mentalität verkraften wird: Schließlich hat Ohlsen die Sommer seiner Kindheit bei Verwandten in Schweden verbracht, „auf dem platten Land, fast Bullerbü-mäßig“, sagt er und lacht. Seine Doktorarbeit über skandinavische Kunst hat er in Stockholm geschrieben. Da hat er sich an die dezente Art der Nordeuropäer gewöhnen können, und meist schätzt er sie auch. „Ja“, sagt er, „die Leute sind weniger spontan. Da wird man Geduld haben müssen.“ Aber nicht zu viel. Denn für seine Ungeduld in Sachen Museums-Neuprofilierung wird er schließlich bezahlt.