Castor nach Lubmin

Einer ist raus ausm Betonblock

Der Castor steht – aufgehalten durch eine Beton-Blockade von "Robin Wood". Rund 4.000 Beamte sind im Einsatz. Blockaden, Demos, Mahnwachen. taz.de berichtet live von den Protesten.

Die Robin-Wood-AktivistInnen in der Beton-Blockade zwischen Diederichshagen und Kemnitz.  Bild: Grodotzki/ROBIN WOOD

Es tut uns sehr leid, wir müssen diesen Ticker jetzt beenden. Unregelmäßig wird er noch upgedated. Weiterhin gibt es Infos beim Castorticker und via Twitter-Hashtag #castor.

++ Robin-Wood-Aktivist raus aus Betonblock ++

19:00 Uhr. Robin Wood hat es bestätigt: Einer der beiden Robin-Wood-AktivistInnen, nämlich der Mann, ist nun aus dem Betonblock von der Polizei "befreit" worden. Es geht ihm gut. Weiterhin festgekettet: die Aktivistin. Noch steht der Castor.

++ Erste Personen werden aus der GeSa freigelassen ++

In Wolgast werden erste Personen aus der Gefangenensammelstelle (GeSa) freigelassen. Im Castorticker wird dazu aufgerufen, die Gefangenen in Wolgast abzuholen. Die Adresse der GeSa: Am Fuchsberg 4. Die Kontakt-Telefonnummer lautet: 03834 / 773788. Laut bahn.de ist die nächste Verbindung nach Lubmin – ein Bus – erst Freitag früh. Nach Greifswald fahren stündlich Züge, der letzte um 21:33 Uhr.

++ Polizeisprecher gibt Robin Wood Schuld an Lubmin-Ausnahmezustand ++

Polizeisprecher Axel Falkenberg wirft den Robin-Wood-Blockierern vor, für die Behinderungen der Bewohner um Lubmin verantwortlich zu sein: "Dieser Protest ist mit erheblichen Folgen für die Lubminer verbunden."

++ Polizisten heißen Müller, Schulz und Schmidt ++

Abermals hat der Ermittlungsausschuss (EA) den Polizeieinsatz beim Castor-Transport kritisiert. Die Beamten würden "Auskunft über ihre Namen und Dienststelle verweigern" oder "falsche Namen à la Müller, Schulz und Schmidt angeben". Berichten aus der Gefangenensammelstelle in Wolgast zu Folge zufolge wäre ein Demonstrant von Polizisten in den Bauch geboxt und zusammengeschlagen worden, so der EA.

++ Polizei will Robin-Wood-Vorwurf nicht kommentieren ++

Zum Vorwurf eines Robin-Wood-Aktivisten, er sei in der Gefangegensammelstelle (GeSa) misshandelt worden, sagte Polizeisprecher Michael Düker, er könne sich dies persönlich nicht vorstellen, man müsse ein eventuelles Strafverfahren abwarten. In der GeSa seien immer mehrere Beamte bei Festgenommenen. Weiter wollte er den Vorwurf nicht kommentieren.

++ Gefangegentransport: Allein in der eiskalten 1/2-Quadratmeter-Zelle ++

17:30 Uhr. Gefangenentransport mit "Wannen" in Richtung Wolgast: Ulrike Berger sitzt zurzeit in einer gerade mal einen halben Quadratmeter großen Zelle. Da kam sie hinein, weil sie einer Polizistin zu frech war: Berger hatte gesagt, alle im Bus sollten aufstehen, damit dieser nicht losfahren könne. Dann beschimpfte die Polizistin sie als "Affe" und klappte die Luke zu. "Sie haben uns bedroht, dass wir uns nackt ausziehen müssen und dass sie uns filzen, wenn wir nicht noch einmal unseren Namen und unsere Adresse sagen", erzählt Berger. Sie kann nichts sehen, nichts hören, was draußen ist – und es ist so kalt, dass sie ihren Atem sehen kann. "Draußen war das nicht so schlimm, da konnte man sich ja bewegen."

++ Alle Kinder sind inzwischen zu Hause ++

Polizeiseelsorger Andreas Schorlemmer sagte der taz um 17:27 Uhr, dass inzwischen alle Kinder zuhause seien, die bisher in einem Schulbus oder mit ihren Eltern auf dem Weg von der Schule festsaßen, weil Straßen von der Polizei blockiert waren. Man habe dafür Sorge getragen, dass der Schulbus am Stau vorbei durchfahren konnte. Eltern mussten teilweise jedoch bei ihren Fahrzeugen bleiben, während ihre Kinder mit dem Bus nach Hause fahren konnten.

++ Gefangegen-Sammelstelle in Wolgast ++

Die Polizei hat der taz inzwischen bestätigt, dass etwa 150 Festgenommene von der Sitzblockade zwischen Brünzow und Kräpelin mit drei Polizei-Reisebussen und weiteren Fahrzeugen in die Gefangenen-Sammelstelle nach Wolgast verbracht wurden – auch, "um bessere Versorgung als vor Ort zu gewährleisten". Nach Wolgast gehe es deshalb, weil in Greifswald kein Gewahrsam zur Verfügung stehe.

Der Run auf die Schiene (zwischen Brünzow und Kräpelin). Die Blockade ist inzwischen geräumt.  Bild: dpa

++ Robin Wood kritisiert "Willkür" beim Umgang mit BetreuerInnen +++

Robin Wood kritisiert die "Willkür" beim Umgang mit den BetreuerInnen bei der Beton-Blockade: "Mal durften sie kommen, mal nicht", so die Pressesprecherin. Gegen 16:45 Uhr hat die Polizei begonnen, den Betonblock mit technischem Gerät zu bearbeiten.

++ Kurverwaltung Lubmin: Kein Durchkommen mehr ++

15:50 Uhr. Die Kurverwaltung Seebad Lubmin bestätigt: Man kommt mit dem Auto nicht mehr nach Lubmin hinein oder aus der Stadt hinaus. Wann das wieder möglich ist? "Das weiß keiner. 24 Uhr vielleicht?". Ein Kollege ruft dazwischen: "Vielleicht ein, zwei Stunden". Dann wieder seine Kollegin: "Nein, das weiß keiner."

Der Verkehr staut sich immer weiter. Ein Schulbus steht seit Stunden auf der Straße, die darin sitzenden Kinder kommen nicht aus Lubmin heraus nach Hause in die umliegenden Dörfer. Journalisten mit Presseausweis werden, auch wenn sie sich eine Akkredetierung besorgt haben, nicht durchgelassen.

++ Platzverweis für BetreuerInnen bei Beton-Blockade ++

14:06 Uhr. Robin Wood meldet, dass die BetreuerInnen an der Beton-Blockade einen Platzverweis erhalten hätten. Sie seien 200 - 300 Meter weit weg geschickt worden, so Robin-Wood-Pressesprecherin Ute Bertrand auf taz.de-Nachfrage und kritisiert das Vorgehen der Polizei: "Es ist ein Schutz für die Blockierenden, wenn sie BetreuerInnen haben. Die Erfahrung zeigt, dass die Kommunikation mit der Polizei besser über BetreuerInnen funktioniert als direkt". Zum Schutz vor der Kälte wurden die Beton-AktivistInnen inzwischen mit Decken und Tee versorgt, außerdem es wurde ein Zelt aufgebaut. Laut Robin-Wood-Pressestelle sind nur Polizeisanitäter bei den AktivistInnen.

Lubmin-Nix-Da meldet, dass die Polizei weiterhin Presseleute, Sanitäter und BetreuerInnen daran hindert, zur Aktion durchzukommen.

Camp bei bei Brünzow am Donnerstag 16.12.2010.  Bild: dpa

++ Der Castor steht ++

Laut Castorticker steht der Castor etwa 200 Meter vor der noch existierenden Beton-Blockade von Robin Wood.

++ Robin-Wood teilt mit: Aktivist in Gesa misshandelt ++

14:45 Uhr. Die Robin-Wood-Pressestelle hat bestätigt, dass einer ihrer Aktivisten telefonisch mitgeteilt hat, in der Gefangenensammelstelle (GeSa) von Polizisten in den Magen geschlagen worden zu sein. Außerdem, so Robin-Wood-Pressesprecherin Ute Bertrand, habe der Aktivist "Schmerzen an den Händen". Er hatte an einer Kletteraktion in Stilow teilgenommen und war nach der Räumung in Gewahrsam genommen worden.

++ Betonblockade weiterhin stabil ++

Weiterhin existiert die Betonblockade zwischen Diederichshagen und Kemnitz. Die Robin-Wood-Aktivisten liegen im Gleisbett, es ist nicht genau bekannt, wie sie sich dort fixiert haben. Laut Castorticker ist inzwischen ein technischer Zug der Polizei eingetroffen und untersucht den Betonblock.

++ Castor rollt durch Greifswald ++

14:10 Viele übereinstimmende Meldungen, unter anderem von Lubmin Nix-Da, dass der Castor aktuell durch Greifswald rollt.

++ Ermittlungsausschuss Greifswald kritisiert "zahlreiche Rechtsbrüche" ++

Der Ermittlungsausschuss (EA) Greifswald kritisiert auf seiner Webseite "zahlreiche Rechtsbrüche" durch die Polizei. Unter anderem seien Personen in Kräpelin teilweise nicht mehr zu den Mahnwachen durchgelassen worden, Menschengruppen eingekesselt, Personen und deren Personalausweise gefilmt. Die BeamtInnen hätten Auskunft über ihren Namen und ihre Dienststelle verweigert, obwohl sie zur Herausgabe dieser Daten verpflichtet seien. Hier liege ein klarer Rechtsbruch seitens der Polizei vor, so der EA Greifswald.

Personen, die Platzverweise für die Schienen ausgesprochen bekommen hätten, seien an an den Kontrollpunkten in Gewahrsam genommen worden. Dabei hätten Personen mit Platzverweisen weiterhin das Recht, an angemeldeten Versammlungen teilzunehmen, die außerhalb des Platzverweises liegen, so der EA Greifswald.

++ Blockade Kräpelin wird geräumt ++

Die Blockade Kräpelin wird geräumt. Die Polizei geht dabei recht vorsichtig vor, trägt Personen bis zur Böschung, und wenn diese dann nicht gehen, auch die Böschung hinauf. Laut Lubmin-Nix-da "120 Personen im Kessel, der Rest unterwegs nach Vierow und Brünzow".

++ Versammlung bei Blockade Kräpelin aufgelöst ++

Bei der Gleisblockade bei Kräpelin hat die Polizei inzwischen die Versammlung aufgelöst. Einige sind gegangen, etliche bleiben jedoch. Ein Polizeisprecher sagte: "Unter diesen Umständen habe ich das noch nicht erlebt. Im Wendland war es ja schon kalt ...". Die Polizei hebt Treppen im Schnee aus – die schneebedeckte Böschung ist rutschig.

++ Robin-Wood-Beton-Aktion zwischen Diederichshagen und Kemnitz ++

Laut Robin Wood haben sich gegen 13:00 Uhr zwei Aktivisten zwischen Diederichshagen und Kemnitz mit einen Betonblock an den Schienen festgekettet. Die Bundespolizei sei vor Ort – und ratlos. Presse werde nicht zugelassen.

++ Mecklenburg-Vorpommer'scher Innenminister zum Zeitpunkt des Transports ++

Deutschlandfunk: (...) Hatten Sie denn eine Wahl beim Zeitpunkt des Transportes? Ist es Zufall, dass der jetzt stattfindet, im tiefsten Winter?

Caffier: Nein. Wir hatten eine Beförderungsgenehmigung, die ein gewisses Zeitfenster in sich birgt, und Sie haben ja die Einsatzbelastung der Polizistinnen und Polizisten in den letzten Wochen beobachten können, die vielfältig waren, zum Schluss in Gorleben, und insofern gibt es natürlich auch eine gewisse Entwicklung, wann, in welchem Zeitrahmen welche Transporte möglich sind, und insofern ist der Winter nicht bewusst gewählt worden, sondern hat sich aus der Situation der Lage heraus ergeben.

Caffier war auch für den Polizeieinsatz beim G8-Gipfel in Heiligendamm zuständig.

++ man kommt noch nach Kräpelin auf die Schiene ++

Lubmin-Nix-da meldet über seinen Twitter-Account, dass man von Kräpelin aus weiterhin "noch gut auf die Schiene kommt".

++ Kletter-Aktion von Greenpeace ++

An einer Brücke über den Bahngleisen zwischen Greifswald und Lubmin haben drei Greenpeace-Kletterer gegen 12 Uhr ein Transparent mit der Aufschrift "Stopp Castor nach Lubmin" gehisst.

++ Gleisblockade zwischen Brünzow und Kräpelin ++

BRÜNZOW taz | Seit etwa 10:00 Uhr sitzen rund 200 Personen zwischen Brünzow und Kräpelin auf den Schienen. Von hier aus sind es noch etwa fünf Kilometer bis Lubmin. Es ist "saukalt", ein scharfer Wund weht und es liegt Schnee. Rund 300 Meter vom Gleis bis zur Straße – dort parken Einsatzwagen der Polizei, einer hinter dem anderen, insgesamt wohl 200 Meter Polizei-Autos.

Rund 2/3 der Personen in der Gleisblockade kommen von vor Ort, aber auch Greenpeacer und Leute aus dem Wendland wurden schon gesichtet. Viele Anti-Atom-Fahnen, sowie welche von der "Republik Freies Wendland", den Grünen, den Piraten und von contratom. Auch einige Sanitäter sind vor Ort. Aktionsunterstützung haben die Gleisblockierenden nicht, sie versorgen sich selbst. Was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tut.

 

30 Jahre sind seit dem GAU in Tschernobyl vergangen – hier berichten wir über den Kampf gegen Atomkraft.

16. 12. 2010

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