Ex-Referee Eschweiler über seine Kollegen

"Man kann nur mit dem Kopf schütteln"

Der ehemalige Schiedsrichter Walter Eschweiler ist über die Fehler seiner Kollegen entsetzt, rät aber von großen Reformen ab.

"Ich habe immer Schwein und Glück gehabt": Walter Eschweiler. Bild: dpa

taz: Herr Eschweiler, schämen Sie sich als ehemaliger Schiedsrichter für Ihre Kollegen, die gerade die Weltmeisterschaft verpfeifen?

Walter Eschweiler: Man kann nur mit dem Kopf schütteln bei so mancher Entscheidung, die getroffen wurde. Das ist besonders tragisch, wenn man bedenkt, dass sich die einzelnen Länder in einem langwierigen Prozess für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben.

Die FIFA verzichtet ab dem Viertelfinale der Fußball-WM auf die Schiedsrichter, die mit eklatanten Fehlentscheidungen Skandale auslösten. Das geht aus der aktuellen Liste von 19 Unparteiischen hervor, die der Fußball-Weltverband für einen Einsatz in den letzten acht Spielen in Erwägung zieht. Nicht erwähnt wird darauf Jorge Larrionda, der am Sonntag beim Spiel England gegen Deutschland das englische Tor zum 2:2 nicht gab. Auch Roberto Rosetti, der ein argentinisches Abseitstor gegen Mexiko gab, wird bei der WM nicht mehr pfeifen.

Warum tut sich die Fifa so schwer, den Videobeweis einzuführen, den Ball mit Chip oder die Torkamera?

Sie dürfen nicht vergessen, dass dann die Fußballregeln geändert werden müssten. Und der International Football Association Board (Ifab), der dafür zuständig ist, hätte damit große, große Probleme. Wir hätten dann zweierlei Regeln, einmal für den Profibereich und einmal für den Amateurfußball. Ich finde, das geht nicht. Eigentlich.

Warum nicht?

Die Regeln im Fußball sind wunderbar einfach, das sollen sie auch bleiben. Ich fürchte, dass wir auch weiterhin mit den Fehlern der Schiedsrichter leben müssen.

Wirklich?

Die Schiedsrichter sind natürlich in der Pflicht, an sich zu arbeiten und Selbstkritik zu üben.

Warum soll der Schiedsrichter bei einem krassen Fehler allein die Last der Verantwortung tragen, wenn es doch die Technik gibt?

Ich gebe ja zu: Die Situation momentan ist unbefriedigend. Aber die Fußballregeln kann ausschließlich nur die Ifab ändern, vielleicht macht sie das ja auch nach der Weltmeisterschaft in Südafrika. Bei allen Überlegungen darf man aber nicht vergessen: Dann hätten wir zweierlei Regelwerke. Das Spiel wäre ein anderes. Und ich frage mich, ob unser schöner Fußball dann noch so erfolgreich und begehrenswert ist.

Können Sie sich denn an eine Weltmeisterschaft mit so krassen Fehlentscheidungen erinnern?

Kurz und knapp: nein.

Was war denn Ihr größter Fehler im Schiedsrichterdress?

Ich bin in der glücklichen Lage zu sagen, dass ich immer Schwein und Glück gehabt habe. So was wie in Bloemfontein ist mir nicht passiert.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de