Klimagipfel in Kopenhagen

Aktivist Tadzio Müller festgenommen

Einer der führenden Köpfe des Protests gegen den UN-Klimagipfel, Tadzio Müller, ist in Kopenhagen festgenommen worden. Die Polizei will ihn "bis auf weiteres" inhaftieren.

Bestätigte die Festnahme indirekt: Polizei in Kopenhagen.  Bild: dpa

BERLIN taz | Die dänische Polizei hat einen der führenden Köpfe des Protests gegen den UN-Klimagipfels in Kopenhagen verhaftet. Gegen 15.30 Uhr wurde der deutsche Klimaaktivist Tadzio Müller vor dem Eingang des Bella Centers, in dem der Gipfel stattfindet, von drei Zivilpolizisten festgenommen.

Müller ist einer der Sprecher des "Climate Justice Action"-Netzwerks. Dieses hat für Mittwoch dazu aufgerufem, zum Tagungsort zu marschieren und das Gelände mit Mitteln des zivilen Ungehorsams für einen Tag zu besetzen.

Die dänische Polizei bestätigte die Festnahme gegenüber der taz am Abend indirekt. "Wir nennen keinen Namen, aber es ist richtig, dass wir heute Nachmittag in Kopenhagen einen männlichen deutschen Staatsangehörigen verhaftet haben," sagte ein Polizeisprecher. Gegen ihn liefen Ermittlungen. Es sei aber bereits klar, dass man ihn morgen früh einem Richter vorführen wolle, um ihn "bis auf weiteres" in Haft zu lassen. Um welche Vorwürfe es genau gehe, wollte die Polizei nicht sagen.

Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein überbrachte den Demonstranten die Nachricht von Müllers Verhaftung bei der Verleihung des Lobbykritikikerpreises "Angry Mermaid Awards" auf dem Gegengipfel am Nachmittag. "Die Polizei glaubt offenbar, den Protest dadurch stoppen zu können, dass sie einige der Köpfe dahinter verhaftet," sagte sie vor mehreren hundert Teilnehmern des Gegengipfels. "Aber wir werden morgen trotzdem zu Tausenden auf der Straße sein."

Müller hatte am Vorabend bei einer Veranstaltung mit Klein im Freistaat Christiania die Entschlossenheit der Gipfelgegner bekräftigt, am Mittwoch mit "offensiver Gewaltfreiheit" massenhaft zum Bella Center zu demonstrieren. "An diesem Tag werden wir Geschichte schreiben, und wir werden nicht in diesen gottverdammten Käfigen enden," hatte Müller den Zuhörern des Gegengipfels zugerufen und an die erfolgreiche Blockade des G8-Gipfels in Heiligendamm erinnert.

"Alle haben erwartet, dass Tadzio festgenommen wird," sagte Alexis Passadakis von der Gruppe "Gegenstrom Berlin", der im "Climate Justice Action"-Netzwerk eng bei der Vorbereitung der Gipfelproteste mit Müller zusammen arbeitet. "Die dänische Polizei agiert offenbar als politische Polizei, mit der die Regierung versucht, Kritiker einzuschüchtern." Die Verhaftung einer so "exponierten Person" wie Müller sei "die Spitze des Versuchs, die Bewegung mundtot zu machen." Dänemark habe die Demonstrationsrechte während des Gipfels derart eingeschränkt, dass man von einem "postdemokratischen Staat" sprechen müsse.

Passadakis rechnet damit, dass am Mittwoch dennoch einige Tausend Menschen dem Aufruf von CJA folgen werden. Man wolle mit Mitteln des zivilen Ungehorsams "nur auf das Gelände, nicht in das Gebäude" eindringen. Das habe "der Aktionskonsens ausgeschlossen," sagte Passadakis.

 

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