Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Noch ist Oskar Lafontaine wie Rumpelstilzchen und Ole von Beust eine Alternative.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der letzten Woche?

Friedrich Küppersbusch: Mir. Ich las, Sarrazin würde als Bundesbanker auch von meinen Steuern bezahlt.

Was wird besser in der nächsten?

Er darf seinen Kopf unverhüllt zum Arbeitsamt tragen. Bei dem wäre ein Kopftuch ne Hohlraumversiegelung.

Nun hat US-Präsident Obama den Friedensnobelpreis bekommen. Gerechtfertigt?

Der notorische Linksradikale Hans-Dietrich Genscher schrieb sinngemäß diese Woche und vor der Preisverleihung: Lasst Obama nicht mit diesen Amerikanern allein! Für die schiere Präsidentschaft gehörten in der Tat eher seine Wählerinnen und Wähler ausgezeichnet. Dass er schon kurz drauf so massive Unterstützung durch das Nobelkomitee bekommt, kann nicht darüber hinweg trösten, dass er sie auch dringend braucht. Die Verteufelung seiner Reformansätze, vor Hass schäumende Nazivergleiche: Die Republikaner bejubeln seine Olympia-Niederlage mit Chicago und beschimpfen die "Nobel-Gang" für die Preisverleihung. Hat was von Weißes-Haus-Arrest langsam. Und also ist die Preisverleihung doch richtig.

Und Herta Müller?

Okay, wir haben Miss Platnum, Meter Paffay und nun eine Literaturnobelpreisträgerin bekommen. Da hätte ich den Rumänen zu Nokia noch Dieter Bohlen draufgelegt.

Zu Guttenberg, Koch, Solms, Westerwelle gar - warum will jeder Finanzminister werden?

Es ist hat noch keine FDP wahlgekämpft, ohne eine mächtige Steuerreform zu verheißen. Und es ist noch keine FDP drangekommen, die hinterher nicht doch lieber das Wirtschaftsressort genommen hätte. So gesehen könnte ich nach einer langen Latte mäßig erfolgreicher HaussBangeMöllemänner mir durchaus mal wünschen, dass die FDP selbst scheitert, statt durchzunörgeln. Finanz und Wirtschaft an die FDP, Westerwelle Vize und Justiz, das hat er studiert, und zuGuttenberg: war Außenpolitiker, und Merkel hätte die CSU gut im Griff, wenn er und Seehofer sich neutralisierten. Aber wer weiß? Eine Merkel, die sich ausrechnen ließe, wäre keine Merkel mehr.

Wer sollte es werden?

Steinbrück.

Und welchen Außenminister sollten wir uns wünschen?

Tja, hat sich was, allein wegen des schwulophoben Geschwätzes über den FDP-Chef wäre hier auch Ole von Beust eine Alternative.

Gibt es denn schon etwas, irgendetwas, auf das man sich als Linker mit Blick auf Schwarz-Gelb freuen könnte, und seis auch nur insgeheim?

Nee, das ist vorbei; wenn es an der Saar Jamaika gibt und in Thüringen Großkoalabärchen, hat die SPD die ersten beiden Chancen schon mal abgeschenkt.

Lafontaine zieht sich oder es nach Saarbrücken zurück. Worin liegt der Reiz dieser Stadt?

Aus Sicht der Saar-Grünen sei es "Bedrohung, Hypothek, Affront", lese ich: Dass der Kandidat nach dem Wahlkampf ziemlich genau das tut, was er vorher versprochen hat. Lafontaine nimmt sein Mandat an und kümmert sich um seinen Wahlkreis. Ungeheuerlich. Da kann man ja gar nicht empört "Haltet den Dieb !" schreien. Die Grünen schäumen "Der Dieb muss frecherweise nicht gehalten werden!" und begründen so, warum sies nun zur Strafe mit der CDU treiben wollen. Dass sie also sich selbst dafür bestrafen, dass Lafontaine hier mal ausnahmsweise kein Arschloch ist - geht doch völlig in Ordnung. Verdient.

Atempause oder Gelegenheit zum Aufatmen für die SPD?

Die Rivalität zwischen Schröder und Lafontaine hat die SPD zerrissen. Schröder sonnte sich im Kanzlersein, drum herum wurde es einsam. Historische Bedeutung - ein Platz zwischen Brandt, Schumacher, Ebert - mäße ich dem zu, der die neue, gesamtdeutsche Linke zustande bringt. Dagegen wird die kleine Cohiba mit Kanzler dran eine Fußnote im Geschichtsbuch. Ich gebe noch nicht auf zu ahnen, dass Lafontaine das weiß. Wenn er als Mann der Einigung erinnert werden will, muss er sich zurückhalten: Manchen Sozis ist er ein Hindernis auf dem Weg dorthin. Belässt er es beim Spalten, bleibt er die sozialdemokratische Antwort auf Rumpelstilzchen.

Eine Buchmesse voller linientreuer Chinesen - gute Sache?

Man kann den alten Claim "Wandel durch Annäherung" vor dem Hintergrund der deutschen Wiedervereinigung nicht wirklich als gescheitert verkaufen. Künstler- und Literaturaustausch zwischen BRD und DDR war ein mühsames, trauriges, wie bei Biermann schmerzliches Geschäft. Dieser Fortschritt war keine Schnecke, sondern eine Amöbe. Nun kommt halt ein Seidenpantoffeltier.

Deutschland gegen Russland, in mancher Hinsicht ein Klassiker. Wie wars?

Zur Melodie von "Yellow Submarin" zu grölen: "Eine Runde weiter, frag mich nicht, warum".

Und der BVB ?

Was kostet eigentlich der René Adler?

 

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