Weltweiter Waffenhandel

Zwei von drei Waffen kommen aus USA

Die Rezession trifft den Waffenhandel – nur die USA legen enorm zu: 2008 konnten sie ihren Umsatz noch mal um die Hälfte steigern. Nun kontrollieren sie 68 Prozent des offiziellen Waffenhandels.

Rüstungsgut als Exportschlager: Eine Drohne der US-Air Force des Typs MQ-1 Predator. Bild: dpa

WASHINGTON afp/dpa | Die USA haben im vergangenen Jahr ihren Anteil an den weltweit getätigten Waffengeschäften deutlich erhöht und damit ihre Führungsposition im internationalen Waffenhandel ausgebaut. Einer Studie des US-Kongresses zufolge verkauften die USA 2008 Waffen im Wert von 37,8 Milliarden Dollar (26,5 Milliarden Euro), wie die New York Times am Sonntag berichtete.

Das entspricht einem Zuwachs um die Hälfte, denn im Jahr zuvor hatten die USA bloß Verträge im Wert von 25,4 Milliarden Dollar abgeschlossen. Damit erreichen die USA einen Anteil von erstaunlichen 68,4 Prozent am weltweiten Waffenhandel.

Verfasst wurde die Studie von Richard F. Grimmett, einem Experten für Internationale Sicherheit des Congressional Research Service, einer Abteilung der Bibliothek des US-Kongresses. Sie erscheint jährlich und gilt als detaillierteste Datensammlung zu nicht geheimen Waffenverkäufen auf globaler Ebene. Am Freitag wurde sie den Mitgliedern von Abgeordnetenhaus und Senat ausgehändigt.

Die Studie stellt fest, dass das Wachstum der US-Waffenexporte in einer Zeit der globalen Rezession "außergewöhnlich" sei. Es resultiere nicht nur aus Verkäufen neuer Waffensysteme, sondern auch aus Einnahmen durch Instandhaltungen, Aufrüstungen, Lieferungen von Munition und Ersatzteilen an Nationen, die schon in der Vergangenheit US-Waffen erworben hätten.

Laut der Studie umfassten die größeren Waffengeschäfte mit anderen Industrieländern im letzten Jahr unter anderem ein 6.5 Milliarden Dollar teures Luftabwehrsystem für die Vereinigten Arabischen Emirate, Düsenjets im Wert von 2,1 Milliarden Dollar für Morokko und Kampfhubschrauber im Wert von zwei Milliarden Dollar für Taiwan. Weitere Waffengeschäfte erfolgten mit Indien, Irak, Saudi Arabien, Ägypten, Südkorea and Brasilien.

Den zweiten Platz im weltweiten Waffenhandel hält laut Studie Italien – weit abgeschlagen mit 3,7 Milliarden Dollar. Russland liegt auf dem dritten Platz mit 3,3 Milliarden Dollar. Im Jahr 2007 seien es für Moskau noch 10,8 Milliarden Dollar gewesen, insgesamt 7,8 Prozent.

Der Studie zufolge seien Russlands Hauptabnehmer zwar weiterhin Indien und China. Ein neuer Fokus des russischen Waffenexports läge aber mittlerweile auf Südamerika – insbesondere Venezuela.

Platz vier belegt Frankreich mit 2.5 Milliarden Dollar, oder etwa 5,9 Prozent aller Waffengeschäfte mit anderen Industrieländern.

Als Topeinkäufer der Industrienationen stellten sich 2008 die Vereinigten Arabischen Emirate heraus. Sie tätigten Waffengeschäfte im Werte von 9.7 MIlliarden Dollar. Es folgen Saudi Arabien, das 8.7 Milliarden Dollar in Waffen investierte, und Marokko mit 5.4 Milliarden Dollar an Ausgaben für Rüstungsimporte.

Weltweit seien Waffengeschäfte im Wert von 55,2 Milliarden Dollar abgewickelt worden. Das bedeute ein Minus von 7,6 Prozent im Vergleich zu 2007, so die Studie. Der Rückgang im Waffenhandel im vergangenen Jahr sei darauf zurückzuführen, dass viele Länder wegen der Rezession von der Erteilung neuer Aufträge Abstand genommen hätten, schrieb der Autor der Studie, Richard Grimmett.

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