Neuer IBB-Chef wieder ein Mann

SPD enttäuscht von Frauensenator Wolf

Mann wird Vorstandschef der IBB. SPD und Grüne sind empört.

Erneut ist eine Spitzenposition in einem Landesunternehmen an einen Mann gegangen. Betroffen ist der Vorstandsvorsitz der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB), den Ulrich Kissing (52) übernimmt. Die Entscheidung fiel im Verwaltungsrat der IBB unter Vorsitz von Frauensenator Harald Wolf (Linkspartei) und widerspricht Bekenntnissen der rot-roten Koalition zu mehr Frauen in Führungsjobs. Erst Ende Juni hatte sich das Abgeordnetenhaus einstimmig für dieses Ziel ausgesprochen. "Ich bin empört, dass wieder ein Mann genommen wird", sagte die frauenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ulrike Neumann, der taz. Wolf müsse mehr Engagement zeigen.

Kritik kommt auch von der Landeschefin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, der Bundestagabgeordneten Eva Högl. "Diesen Einzelfall kann ich nicht beurteilen, aber generell halte ich Harald Wolf als Frauensenator für eine Fehlbesetzung", sagte Högl der taz. "Wenn man will, dann findet man auch eine geeignete Frau." Für die oppositionelle Grünenfraktion hat die rot-rote Koalition in Sachen Gleichstellungspolitik versagt. Sie sieht sogar einen Verstoß gegen die Ziele des Landesgleichstellungsgesetzes.

Wolf-Sprecher Stephan Schulz wies die Kritik zurück: Die Stelle sei wie gefordert öffentlich ausgeschrieben worden, zudem habe man über eine Personalagentur auch Frauen im Bankmanagement direkt ansprechen lassen. Auf die öffentliche Ausschreibung hin hätten sich fünf Männer, aber nur eine Frau gemeldet. Mit wie viel Frauen es Bewerbungsgespräche gab, mochte Wolf nicht sagen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Jutta Matuschek, unterstützte ihren Parteifreund. Wolf habe "keinen Zweifel daran gelassen, dass er bei gleicher Eignung vorzugsweise für eine Frau plädieren würde". Entscheidendes Kriterium sei letztlich die beste Eignung gewesen. "Das ist kein Gesetzesverstoß, sondern vernünftige Politik im Interesse Berlins."

Die SPD-Abgeordnete Neumann sträubte sich auch gegen den Zeitpunkt der Entscheidung. "Ich finde es skandalös, dass Herr Wolf das jetzt in der Sommerpause durchpeitscht." Davon kann für Wolf-Sprecher Schulz keine Rede sein: Die Entscheidung sei "in enger Abstimmung" mit den beiden anderen Senatsmitgliedern im neunköpfigen IBB-Verwaltungsrat gefallen, Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Ulrich Nußbaum (parteilos). Nußbaums Sprecher mochte das weder bestätigen noch dementieren und verwies darauf, dass Nußbaum derzeit im Urlaub ist.

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