Schanzenviertel bleibt sich treu

Straßenschlachten in Hamburg

Nach dem friedlichen Straßenfest im Hamburger Schanzenviertel kommt es zu stundenlangen Krawallen. Dass die Polizei eine Fan-Kneipe stürmt, sehen viele als "Kriegserklärung".

Provokation: Schon vor dem Schanzenfest erklärte Innensenator Ahlhaus, er werde die Veranstaltung nicht mehr dulden. Bild: dpa

HAMBURG taz | Im Anschluss an das autonome Schanzenfest ist es am Samstag in Hamburg zu heftigen Krawallen gekommen. Stundenlang lieferten sich hunderte Menschen Ausschreitungen mit der Polizei. Aufgebrachte Personen zündeten Barrikaden aus Müll an und bewarfen Polizisten mit Flaschen.

Die Polizei setzte ihrerseits Schlagstöcke sowie Wasserwerfer und Räumpanzer ein. Vor dem Lerchenrevier ging ein Streifenwagen in Flammen auf. 85 Personen wurden vorübergehend festgenommen. 27 Beamte wurden verletzt, die Anzahl der verletzen Randalierer ist nicht bekannt.

Mehrere tausend Menschen hatten zunächst friedlich zwischen Getränke-, Info- und Flohmarktständen das 21. Schanzenfest besucht, das sich besonders dem Thema Gentrifizierung der Schanze widmete. So wurde im Zuge des Festes auch ein Haus in der Rosenhofstraße besetzt.

Die Polizei räumte nicht, da der Investor nicht zu erreichen war. Am frühen Abend begann die Polizei mit Patrouillen quer durch die Menge Macht zu demonstrieren. Knapp 2.000 Polizisten sollten eigentlich dafür sorgen, die Krawalle zu unterbinden - doch das Gegenteil war der Fall.

Weil ein Punk aus Unmut darüber, dass gegen 21.45 Uhr die Bühnen vor der Roten Flora abgebaut werden sollte, eine Flasche auf die Bühne warf, stürmten Uniformierte in die Menge und knüppelten auf Personen ein. Dies führte dazu, dass Festbesucher Flaschen warfen und vereinzelt Feuerwerkskörper entzündeten. Als Folge setze die Polizei Wasserwerfer ein und nahm selbst Personen an den Kneipentischen unter Beschuss.

Die alljährlichen Krawalle waren damit offiziell eröffnet und breiteten sich im Laufe des Abends auf das gesamte Schanzenviertel bis hin zum Millerntor-Stadion aus. Dabei kam es immer wieder zu den üblichen Katz- und Maus-Spielen: Randalierer warfen mit Flaschen und Pflastersteinen, die Polizei antwortete mit Wasserwerferbeschuss.

Einige Personen wurden über die Wasserwerfer-Lautsprecher direkt angesprochen. "Hey Sie da, in der karierten Hose. Stellen sie die Flasche zurück auf den Tisch - Guuut sooo! Und jetzt gehen sie nach Hause - und vergessen sie nicht, ihre Freunde mitzunehmen …" Während persönliche Ansprachen durchaus Wirkung zeigten, verhallten Pauschal-Aufforderungen ohne Folgen.

"Entfernen sie sich von den Randalierern, sie bilden sonst ein Schutzschild." Unter die Autonomen mischten sich auch etliche Jugendliche, die mit diesen üblicherweise nichts zu tun haben. Etliche Menschen besuchten das Schanzenviertel, um den Krawallen zuzusehen.

Gegen drei Uhr am Morgen stürmten Polizisten die St. Pauli-Fan-Kneipe Jolly Roger mit Pfefferspray und Schlagstöcken. "Das ist eine regelrechte Kriegserklärung", schimpften Betreiber und Fans. Die Fan-Kneipe ist selbst bei Fan-Randale bei FC St Pauli Spielen bisher für die Polizei tabu gewesen.

Rechtsanwalt Manfred Getzmann kündigte noch in der Nacht Strafanzeige wegen Sachbeschädigung an, gegen Gesamteinsatzleiter Peter Born wird der Jurist Strafanzeige wegen Strafvereitelung im Amt stellen. Born hatte sich fernmündlich geweigert, das Dezernat Interne Ermittlungen zum Jolly Roger zu entsenden, damit vor Ort Spuren gesichert werden.

Der Ausgang des Schanzenfestes ist für viele Beobachter nicht überraschend. Um das 21. Schanzenfest hatte es im Vorweg einen heftigen Disput gegeben. Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) hatte gedroht, dass er das seit Jahren nicht angemeldete Straßenfest als "rechtsfreien Raum" nicht mehr dulde.

Der Bezirk Altona weigerte sich jedoch, den Initiativen einen Anmelder zu diktieren und einigte sich mit den Organisatoren zum Argwohn von Ahlhaus auf eine "qualifizierte Duldung".

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