Peter-Fox-Konzerte in Berlin

Stadtaffe in Perfektion

Lieder über den Großstadtdschungel und romanhafte Tresentexte, die so noch niemand über Berlin geschrieben hat: Peter Fox ist die Lässigkeit in Person.

Wer hat die Kokosnuss geklaut? Bild: dpa

Am vergangenen Wochenende stand für viele Berliner, aber auch für zahlreiche extra Angereiste bereits der Höhepunkt dieser noch jungen Openair-Saison an: Peter Fox gab zwei ausverkaufte Konzerte in der Wuhlheide in Berlin. Zwei weitere Konzerte im August werden folgen.

Der Berliner Popsänger hat mit seinem - mittlerweile über 750.000-mal verkauften - Album "Stadtaffe" den perfekten Soundtrack zum Darwinjahr 2009 produziert: Lieder über das Dasein im Großstadtdschungel Berlin, mit einer eigenwilligen Mischung aus Reggae- und Hip-Hop, ergänzt durch Orchestermusik wie aus einem spannenden Agententhriller und romanhaften Tresentexten, die so noch niemand über Berlin geschrieben hat.

So gleicht das Publikum am Freitag in seiner Vielfalt eher einem Stadtteilfest mit Bierstand und Showbühne, denn einem Popkonzert mit speziellem Zielpublikum: Bravo-Mädchen in Jeans, Studentinnen mit Palästinenserfeudel, Hooligans mit Bratwurst und Glatze, Rastaboys im Militarylook, graues, langes und kurzes Haar - Mama und Papa!

Viele Fans trugen T-Shirts mit dem zum Fox-Markenzeichen gewordenen Affenmaskenkopf und der Unterschrift "Stadtaffe". Häuserwandgroße Lautsprechertürme waren mit bedruckten Stoffbahnen behangen, auf denen - was Wunder - Gorillas prangten. Der "Wettergott" (Zitat Peter Fox) hatte es dann doch noch gut mit der vor der Bühne tobenden Affenbande gemeint: Es blieb kühl und bewölkt, aber immerhin trocken!

Zunächst hält sich das Publikum mit ausgiebigen La-Ola-Wellen bei Laune, bis der britische R&B-Sänger und Gitarrist James Hunter und seine Band das Publikum zu entspannten Rocksteady-Rhythmen - also eher Katzenmusik - bei Laune hält. Daraufhin erscheint ein junger Mann und saugt tatsächlich die Bühne mit einem Staubsauger. Ein Ansager weist das Publikum während dieser skurrilen Szene darauf hin, dass es sich noch eine halbe Stunde gedulden müsse, der Star des Abends wünsche in die Dunkelheit hineinzuspielen. Also nicht, wie es bei Peter Fox größtem Hit heißt, "Schwarz zu Blau", sondern quasi von "Blau zu Schwarz".

Für pünktliche Konzertbesucher nach unendlichen vier Stunden Wartezeit - bricht die Abenddämmerung dann auch an, und mit ihr betritt der Chefaffe mit seiner Band die Bühne. Selbst Kameraleute, die an diesem Abend offenbar einen Konzertfilm drehen, sind dazu gezwungen, Affenmasken zu tragen. Auf der Bildleinwand natürlich auch fast ausschließlich: Affen!

Was in den nächsten neunzig Minuten folgt, darf man als die gegenwärtig wohl sehenswerteste, stadionkompatible musikalische Live-Darbietung made in Deutschland bezeichnen: Die Musiker aus dem Seeed-Umfeld - der Band, mit der Peter Fox bekannt wurde und deren Sänger er noch immer ist - spielen makellos! Natürlich geben sie an diesem Abend auch ein paar alte Seeed-Hits wie "Aufstehen" und "Dickes B" zum Besten. Obwohl es sich bei der Band um "Mucker" handelt - also Musiker die ihre Instrumente besser beherrschen als der Durchschnitts-Popheini - gewinnt die Musik von Peter Fox durch ihre Perfektion nur noch an Lässigkeit. Der Sänger gibt sich, in Jackett, Militärhose und Sneakern gekleidet, lakonisch-souverän, redet zwischen dem kompletten Songmaterial seines Albums eigentlich auch nur von Berlin und animiert das Publikum gelegentlich zu Klatscheinsätzen oder Affenbandengebrüll, wenn er nicht gerade mit einem Handtuch wedelt.

Die Kindl-Bühne gehört allein dem Stadtaffen und gelegentlich der Drumline Cold Steel, einer fünfköpfigen Marschtrommelgruppe aus North Carolina, die mit an Robotdance erinnernden Choreografien und vor allem durch ihr virtuoses Getrommel den trägen Basswellen hektische Synkopen entgegensetzen. Weiterhin unbedingt erwähnenswert: der voluminöse Leadgesang der Berliner Soulsängerin Miss Platnum. Das Publikum in der Wuhlheide ist außer sich vor tierischer Freude.

Auf dem Weg zurück ins "Dicke B" muss es sich allerdings im umliegenden Wald allein zurecht finden - ohne ihr Alphatier.

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