Kommentar Bahn-PR-Skandal

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Mit verdeckter Medienarbeit hat die Bahn versucht die öffentliche Meinung zu manipulieren. Schuld haben auch die Medien, die kostenlose Beiträge ohne Prüfung einfach übernehmen.

Noch ist nicht ganz klar, woraus das millionenschwere Rundum-sorglos-Medienpaket der Bahn im Einzelnen bestand. Das angepeilte Ziel liegt aber durchaus offen: Im Sinne des Konzerns sollte Einfluss auf die freie Berichterstattung wie auf die öffentliche Meinung genommen werden, vor allem zur Zeit der kontrovers diskutierten Frage des Börsengangs und des Streiks der LokführerInnen. Es geht um Leserbriefe, Meinungsumfragen, Radiobeiträge, fertige Artikel - scheinbar alle unabhängig und von honorigen Absendern stammend. In Wahrheit war das ganze aber geschickte PR des Nochstaatsunternehmens.

Nun werden die dafür Verantwortlichen bei der Bahn entlassen. Ralf Klein-Bölting, der Generalbevollmächtigte für Marketing und Kommunikation, ist schon weg. Das klingt auf den ersten Blick honorig und konsequent. Doch geschieht es wohl kaum, weil man im allgemein wenig zimperlichen PR-Geschäft nicht trickst. Sondern allein deswegen, weil es herausgekommen ist.

Die Bahn ist aber kein Einzelfall. Der jetzt von LobbyControl enthüllte Skandal taugt höchstens als besonders üppig finanziertes Beispiel für solche No-Badge-Kommunikation, also die verdeckte Öffentlichkeitsarbeit ohne - oder unter einem falschen - Absender.

Das System ist so einfach wie verlogen: Unternehmen, Lobbyverbände oder unlängst auch Bundesministerien bezahlen zumeist freie JournalistInnen oder entsprechende Pressebüros. Und diese treten dann mit fertigen Artikeln oder Hörfunkbeiträgen an die Redaktionen heran. Weil die heiße Ware ja schon einmal bezahlt wurde, sind solche Angebote häufig günstig oder gleich kostenlos zu haben - kein schlechtes Argument in Zeiten knapper Kassen bei Zeitungen, Zeitschriften oder vielen Sendern.

Die Deutsche Bahn AG befindet sich hier in bester Gesellschaft: 2007 geriet das Bundeswirtschafts- und das Familienministerium wegen verdeckter PR in die Schlagzeilen, 2008 folgte das Gesundheitsministerium. Auch damals ging es unter anderem um vorproduzierte Hörfunkbeiträge.

Und die Antwort der Bundesregierung auf eine noch kein Jahr alte Kleine Anfrage aus der Linke-Fraktion im Bundestag zum Thema spricht Bände - denn sie steht für die bis heute bei den Auftraggebern solcher PR-Tricks üblichen Auffassung: Man vertrete die "Ansicht, dass es Aufgabe der Medien selbst ist, die ihnen verfassungsrechtlich eingeräumte Freiheit verantwortungsbewusst wahrzunehmen", hieß es im Juli 2008. Das meint im Klartext: Der Absender ist doch eigentlich unschuldig, schließlich müssen die Medien solches Material nicht übernehmen, sondern seien im Gegenteil im Rahmen ihrer Sorgfaltspflicht ohnehin gehalten, alles nochmal gegenzuchecken.

Dummerweise stimmt das sogar: Redaktionen, die kostenlose Angebote ungeprüft übernehmen, dürfte es eigentlich genauso wenig geben wie solche No-Badge-PR.

Doch die Lage im immer hektischer werdenden Mediengeschäft hat die früher gern beschworene Waffengleichheit kippen lassen: Während mehr und mehr Medienhäuser Redaktionen zusammenstreichen, Honorare kürzen und während im Rattenrennen um "Online First" die Recherchezeit gegen null tendiert, sind die PR-Stäbe und ihre Handlanger von Jahr zu Jahr besser ausgestattet.

Die Deutsche Bahn AG steht nun sogar unter dem Verdacht, über die von ihr beauftragte PR-Firma Eppa gleich noch einen ganzen Thinktank namens Berlinpolis mitfinanziert zu haben. Dort wird derlei allerdings energisch dementiert, auch wenn die Themenparallelität - Berlinpolis beschäftigte sich 2007 intensiv mit der DB AG, dem Lokführerstreik und dem Bahn-Börsengang - auffällt.

Wie dem auch sei: Berlinpolis selbst jedenfalls macht aus seinen Anliegen gar kein Hehl: Was das "Botschaftenprägen" angehe, sei man "nicht unerfolgreich", sagte noch Ende März einer der Berlinpolis-Geschäftsführer - im "Täglich Talk" des DB-AG-eigenen Werbekanals Bahn TV. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt?

Natürlich nicht. Schließlich haben viele JournalistInnen ja auch die Journalisten-Bahncard der Deutschen Bahn AG - denn die kostet nur die Hälfte: Und wird wie alle von Unternehmen gewährten Journalisten-Rabatte von A wie Air Berlin bis T wie Telefontarif natürlich ganz ohne jeden Hintergedanken ausgeteilt. Oder etwa nicht?

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