Übergriffe bei G20-Gipfel

Weiterer Londoner Polizist suspendiert

Der Skandal um Übergriffe der britischen Polizei beim G20-Gipfel weitet sich aus. Ein weiteres Video zeigt nun, wie ein Polizist einer Frau ins Gesicht schlägt. Der Beamte wurde beurlaubt.

Schlag ins Gesicht: Ein britischer Polizist beim G20-Gipfel in London. Bild: Screenshot www.youtube.com

LONDON dpa Die Affäre um Angriffe der Polizei bei den Protesten gegen den G20-Gipfel in London vor zwei Wochen weitet sich aus. Die Polizei suspendierte in der Nacht zu Mittwoch einen weiteren Beamten. Auf neuem Videomaterial war zu sehen, wie dieser einer Frau erst ins Gesicht schlägt und ihr dann mit einem Schlagstock auf das Bein haut.

Die Frau hatte ihn zuvor offenbar angeschrien. Scotland Yard teilte mit, das Video habe "sofort Bedenken" hervorgerufen und sei an die unabhängige Polizeiaufsichtsbehörde gegeben worden. Diese ermittele in der Sache.

Das Video entstand am 2. April, als Gipfelgegner im Bankenviertel eine Mahnwache für einen Mann hielten, der am Tag davor während der Proteste zusammengebrochen und gestorben war. Auch in diesem Fall ermittelt die Polizeiaufsicht.

Vergangene Woche war deshalb ein Polizist vom Dienst suspendiert worden. Er hatte den Mann zu Boden geschubst und geschlagen. Ian Tomlinson, ein Zeitungsverkäufer aus der City, brach dann wenige Minuten später zusammen und erlitt einen Herzinfarkt.

Politiker forderten strafrechtliche Untersuchungen in den Fällen. Der Justizexperte der oppositionellen Liberaldemokraten, David Howarth, sagte, der neue Fall zeige, dass es sich um ein "systematisches Problem und nicht um eine Reihe von Fehltritten Einzelner" bei Scotland Yard handle. Der Abgeordnete der Labour- Partei, David Winnick, kritisierte die "offene Brutalität der Polizei". Die Menschenrechtsorganisation Liberty erklärte, es sei "sehr schwer zu verstehen", wieso ein bewaffneter Polizist eine wesentlich kleinere Frau angegriffen habe.

Zu den Protesten in der City waren tausende Demonstranten gekommen. Dabei war es auch zu Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen Polizei und Randalierern gekommen.

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