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Ökonomin über Faschismus und Wirtschaft„Wir müssen den Nährboden der Frustration angehen“

Eine antifaschistische Wirtschaftspolitik sollte den Reichen ihr Überlegenheitsgefühl nehmen, sagt Isabella Weber. Die Voraussetzung: ein bezahlbares Leben für alle.

Jonas Waack

Interview von

Jonas Waack

taz: Frau Weber, Sie fordern eine antifaschistische Wirtschaftspolitik. Wo ist denn Wirtschaftspolitik gerade faschistisch?

Isabella Weber: Die Wirtschaftspolitik ist neoliberal, nicht faschistisch. Aber Neoliberalismus und Faschismus haben eine gemeinsame Grundlage: den Sozialdarwinismus. Im Neoliberalismus leitet sich der Wert eines Menschen daraus ab, wie er oder sie sich am Markt behaupten kann: Bist du reich, dann giltst du als toll und fähig. Bist du arm, hast du wohl am Markt versagt. Dass manche Armut leiden, so das Kalkül, müssen wir hinnehmen. Denn wenn wir in den Wettbewerb eingreifen, dann zerstören wir die Marktordnung und damit die Gesellschaft.

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taz: Was hat das mit dem Faschismus zu tun?

Weber: Der Faschismus beruht auch auf der Hierarchie zwischen den Starken und den Schwachen. Aber hier sind die Starken stark, weil sie zur herrschenden „Rasse“ gehören, zu einer übergeordneten Gruppe. Und die Schwachen sollen sich unterordnen. Besonders in Krisen, in denen die Existenzgrundlagen der Menschen bedroht sind, gibt es eine Gegenbewegung dazu, sich dem Markt unterordnen zu müssen. Und diese Gegenbewegung kann eine faschistische Ausprägung annehmen über rassistische oder völkische Prinzipien, über die Glorifizierung von Kampf und Macht.

taz: Der Neoliberalismus behauptet, die Reichen hätten ihr Schicksal genauso verdient wie die Armen. Wählen deswegen mehr Menschen rechtsextrem?

Weber: Natürlich haben Rassismus und völkisches Gedankengut tiefe historische und kulturelle Wurzeln. Man kann das nicht reduzieren auf: „Der Preis von Brot geht hoch, dann werden alle Faschisten.“ Aber durch existenzielle Krisen entsteht wirtschaftliche Unsicherheit. Das muss nicht heißen, dass die Leute schon verarmt sind. Es reicht ein Gefühl der Perspektivlosigkeit: dass die eigene Existenz bedroht ist, dass man Schocks ausgeliefert ist, die man nicht kontrollieren können. Das führt zu Angst und Frustration. Und diese ermöglichen es falschen Propheten zu sagen: Das Problem ist, dass die rassistische Hierarchie nicht mehr ist, wie sie sein sollte.

Im Interview: Isabella Weber

ist Ökonomin und Professorin an der University of Massachusetts. Sie beriet die Bundesregierung während der Energie­krise 2022 zum Gaspreisdeckel und sitzt in der Schuldenbremsen-Kommission. Ihr Buch „Antifaschistische Wirtschaftspolitik“ erscheint bei Suhrkamp.

taz: Warum soll das attraktiv sein?

Weber: Diese falschen Propheten behaupten, wir müssten eine mythische Vergangenheit wiederherstellen, wo alles gut war. Wo weiße Deutsche ihren rechtmäßigen Platz an der Spitze der Hierarchie hatten. Das geht einher mit einer Verherrlichung von Gewalt. Gewalt demonstriert auf die brutalste Art und Weise die Handlungsfähigkeit, die in einer Krisensituation abhandengekommen ist. Ab Tag eins Menschen abzuschieben, ist ein brutaler Akt, der zeigt: Wir können handeln.

taz: Und das wirkt anziehend?

Weber: Wenn ich jeden Tag zur Arbeit gehe, meinen Job mache und mir dann Sorgen machen muss, mir meine Gasrechnung oder meine Miete nicht mehr leisten zu können, aus meiner Nachbarschaft verdrängt zu werden, dann macht das was mit meinem Selbstwertgefühl. Und die Antwort der Faschisten darauf ist: Wir werten andere ab und dich auf.

taz: Dieses Versprechen machen Rechtsextreme seit Langem. Aber erst seit 10 oder 15 Jahren erstarken sie in Deutschland – sowie in den USA.

Weber: Es gab in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Kipppunkte. Beim Aufstieg der Rechtsextremen in Deutschland war der erste Kipppunkt die Schocktherapie nach der Wiedervereinigung.

taz: Schocktherapie?

Weber: Die Idee, eine Marktwirtschaft über Nacht zu errichten, indem man Unternehmen privatisiert und Preise, Währungskurse sowie Außenhandel liberalisiert. So sollte die Marktwirtschaft quasi wie aus dem Nichts entstehen.

taz: Das hat in Ostdeutschland nicht so gut geklappt: Die Wirtschaft brach zusammen, bis 1996 waren 40 Prozent der Ostdeutschen zwischenzeitlich arbeitslos.

Weber: In ganz Osteuropa sank die Lebenserwartung, ebenso die Alphabetisierungsrate. Das war der erste große Schock. In Osteuropa begann der Aufstieg rechtsextremer Parteien früher als in Westeuropa. Das hat mit dieser Schockerfahrung zu tun und mit den Krisen, die daraus entstehen.

Dem ersten Gebot unserer Verfassung wirtschafts­politisch nachzu­kommen – das ist der Sockel

taz: Und der zweite Kipppunkt?

Weber: Das war die globale Finanzkrise. In den USA wurden die Banken gerettet, nicht die Haushalte, die verschuldet waren. Viele Menschen verloren ihre Arbeit. In Europa folgten Eurokrise und Sparkurs. Der dritte Kipppunkt war die Pandemie, die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und die Inflation als Folge von beidem, die mit Rekordgewinnen einherging.

taz: Aber während der 1990er in Osteuropa und während der Finanzkrise sind viele Menschen arbeitslos geworden, während der Inflation nicht.

Weber: Während der Inflation war die Erfahrung: Obwohl ich arbeiten gehe, kann ich mir die Dinge nicht mehr locker leisten, auf die ich angewiesen bin. Gleichzeitig gab es einen Ungleichheitsschock. Durch Übergewinne haben die Reichsten der Reichen und große Unternehmen massiv profitiert. Das ist ein anderer Faktor für den Aufstieg des Faschismus: Die extreme wirtschaftliche Machtkonzentration führt dazu, dass die Ultrareichen sich selbst als überlegene Wesen betrachten. Das sehen wir ganz konkret an Leuten wie Elon Musk oder Peter Thiel…

Der Deckel soll die extreme Machtkonzentration bekämpfen

taz: … die Donald Trump unterstützen?

Weber: Genau. Weil es eine Verbindung gibt zwischen dem Gefühl der Überlegenheit und der hierarchischen Logik des Faschismus. Und wenn es diese Art von Machtkonzentration gibt, müssen nicht viele Mächtige Faschisten werden, damit es zu einem politischen Umschwung kommt.

taz: Was hat die antifaschistische Wirtschaftspolitik dem entgegenzusetzen?

Weber: Einen Sockel und einen Deckel. Demokratische Regierungen müssen dafür sorgen, dass Wohnen, Lebensmittel, Energie, Mobilität, Pflege und Gesundheit bezahlbar sind. Das sind Grundbedürfnisse, die uns als Menschen vereinen. Jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf. Jeder Mensch braucht ausreichende und gesunde Ernährung. Jeder Mensch muss sich fortbewegen können. In dem Interesse, dass diese Bereitstellung funktioniert, ist eine große Mehrheit der Menschen vereint.

taz: Sie wollen also, dass der Staat die materiellen Grundbedürfnisse der Menschen garantiert.

Weber: Der erste Satz des Grundgesetzes lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Aber oft wird der zweite Satz von Artikel 1 vergessen: „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Dem ersten Gebot unserer Verfassung wirtschaftspolitisch nachzukommen – das ist der Sockel.

taz: Und der Deckel?

Weber: Wir erleben eine Reichtums- und damit Machtkonzentration, die die Demokratie untergräbt. Deshalb müssen wir extremen Formen von Machtkonzentration vorbeugen. Und da gibt es eine Verbindung zwischen Sockel und Deckel. Wenn wir in den essenziellen Bereichen Preisexplosionen verhindern, dann verhindern wir auch eine Form von extremen Gewinnen. Vor der Inflation erhielten Kapitalbesitzer in den USA von einem Dollar Wertschöpfung 14 Cent Profit. Nach der Inflation im Jahr 2023 waren es circa 21 Cent. Das ist der größte Anstieg seit Aufzeichnungsbeginn 1947.

taz: Und dem wollen Sie nur damit beikommen, dem Privatsektor von staatlicher Seite Konkurrenz zu machen?

Weber: Nein, wir müssen Ultrareiche auch höher besteuern, Großerben höher besteuern, multinationale Konzerne effektiv besteuern. Und der dritte Bereich ist das Wettbewerbsrecht. Im Deutschland der 1930er Jahre haben Kartelle sehr schnell den Schulterschluss mit den Nationalsozialisten gesucht. Der Sockel soll den Nährboden der Frustration angehen und der Deckel die extreme Machtkonzentration.

taz: Sie schlagen konkret zum Beispiel Pufferlager vor, also staatliche Bestände essenzieller Güter. Warum ist das antifaschistisch?

Weber: Auf Schocks in essenziellen Bereichen wie Lebensmittel und Energie ist die neoliberale Antwort: Der Markt muss es richten. Die Preise explodieren.

taz: Und Sie wollen mit den Pufferlagern den Markt abschaffen?

Weber: Nein, der Markt ist ein nützliches Instrument, und steigende Preise können ja eine real existierende Knappheit anzeigen. Aber bei einem Ernteausfall explodiert der Preis, ohne dass das Angebot von Getreide bis zur nächsten Ernte steigt. Deswegen braucht es in diesen volatilen Märkten öffentliche Reserven, die Preis, Angebot und Nachfrage stabilisieren können. Wenn das Angebot zu klein ist, kann der Staat aus den Beständen verkaufen und dadurch den Preis, aber auch die Profite senken. Dadurch sichern wir die Nahrungsmittelversorgung und beschränken die Machtkonzentration der Konzerne. Wenn das Angebot zu groß ist und die Preise niedrig sind, kann der Staat Getreide einkaufen und so die Preise auch für die Landwirte auf ein erträgliches Niveau steigern.

taz: Und wenn der Staat Grundbedürfnisse garantiert und Machtkonzentration bekämpft – dann verliert die AfD wieder?

Weber: In Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD einen erfolgreichen Manuela-­Schwesig-Wahlkampf geführt. Aber Schwesig hat immer wieder gesagt: Ich, eine demokratische Politikerin, kann etwas tun gegen die Krise der Bezahlbarkeit, für eure Mieten und euren Lohn. In Berlin hat die Linkspartei mit einer ganz klaren Fokussierung auf die Frage bezahlbaren Wohnens das beste Ergebnis ihrer Geschichte hingelegt. Mamdani in New York ist das am besten bekannte Beispiel für eine Politik der Bezahlbarkeit. Seine Mitarbeiter haben mir gesagt, dass meine Arbeit sie inspiriert hat. Das war sehr bewegend.

taz: Sie haben also das Geheimrezept gefunden?

Weber: Natürlich geht es am Ende mehr als nur um den konkreten Preis von Strom oder den genauen Preis von Mieten. Es gibt keine Geheimrezepte. Aber mit jedem essenziellen Gut, bei dem der Staat die Krise der Existenzgrundlagen adressiert, demonstriert er eine Alternative zu einem unerträglichen Status quo und zeigt den Menschen, dass nicht nur die Faschisten einen Ausweg aus der Krise weisen.

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20 Kommentare

  • Wanderin

    Gutes Interview und stimme zu. Die geschichtlichen Vorbedingungen mit der gescheiterten Entnazifizierung in Kombination mit der neoliberalen Ideologie, die die sozialdarwinistischen Aspekte des NS-Gedankenguts fortsetzt, haben in Deutschland diesen Nährboden geschaffen, aus dem die AfD Gewinne zieht.



    -



    Allerdings würde eine rein wirtschaftsdeterministische Sichtweise die Verantwortung des Wählers ausklammern. Gerade der weiß in D ganz genau, was er mit seiner Stimme tut. Das Narrativ der AfD- Wähler, dass sie "aus Notwehr" so wählen "müssen", sollte man nicht fortschreiben.



    -



    Sachsen Anhalt, Meck-Pomm und Thüringen sind statistisch die Bundesländer mit der ältesten Bevölkerung. Darin liegt auch ein entscheidender Grund fürs Wahlverhalten, den man nicht ignorieren sollte.

  • Ricky-13

    Mit dem Satz - „Neoliberalismus und Faschismus haben eine gemeinsame Grundlage: den Sozialdarwinismus“ - hat Isabelle Weber vollkommen recht.

    In Deutschland haben wir viele neoliberale Lobbyisten als "Politiker". Und seit einigen Jahren haben wir sogar schon Leute, die eine 'uralte braune Soße' wieder aufwärmen wollen.

    Weber: *Der erste Satz des Grundgesetzes lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Aber oft wird der zweite Satz von Artikel 1 vergessen: „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."*

    Wenn man den zweiten Satz in Vergessenheit bringt, dann kann man doch sehr gut die 'Hartz4-Bürgergeld-Grundsicherungsempfänger' sanktionieren. Und da wären wir ja wieder beim Sozialdarwinismus, der sogar noch dafür sorgt, dass der (Noch-)Arbeitnehmer schön brav ist und keinen höheren Lohn oder bessere Arbeitsbedingungen fordert.

    Wir brauchen endlich mal echte Volksvertreter, die ein neues Wirtschaftssystem auf die Füße stellen, was nicht Mensch und Natur ausbeutet und das Wetter immer mehr zu einer Dampfsauna macht. Diese echten Volksvertreter werden aber von den konservativ-neoliberalen Medien bekämpft, die auch immer rechtslastiger werden.

  • Christine_Winterabend

    "mit jedem essenziellen Gut, bei dem der Staat die Krise der Existenzgrundlagen adressiert, demonstriert er eine Alternative zu einem unerträglichen Status quo und zeigt den Menschen, dass nicht nur die Faschisten einen Ausweg aus der Krise weisen." Viele setzen sich gerade dafür ein, dass eine fundierte Wirtschaftspolitik auf der Grundlage erneuerbarer Energien staatlich gefördert statt behindert wird und werden von der Politik abgewiesen. Mit dem Wissen, dass die Bezahlbarkeit und Verfügberkeit von Strom und allen anderen lebensnotwendigen Gütern und die Lebensgrundlagen auf dem Planeten immer stärker gefährdet werden, sagt das Zitat genau das, was wir leider gerade erleben. Die Politik lässt uns dabei zugunsten der EnergieKonzerne im Stich, Frustration und Unmut wachsen, wie gerade gestern auf der Energiewende-Demonstration zu sehen war, und sie ignoriert den daraus resultierenden wachsenden sozialen Sprengstoff. Selbst die Medien haben im Gegensatz zur ersten Auflage der Energiewende-Demos im April diesmal anscheinend der Politik gehorcht und sich rausgehalten.

  • Mopsfidel

    Ganz schwere Kost von einer Ökonomin, dennoch darf jeder seine eigene Meinung haben. Es benötigt allerdings viel Phantasie um von einer neoliberalen Marktwirtschaft über den Sozialdarwinismus zum (Markt-)Faschismus zu gelangen.

    Es gibt Grundprinzipien eines freien Marktes. Dazu gehört vorrangig die Konzentration. Es gibt kein natürliches Gleichgewicht, denn das Streben nach 'Besser' zu sein ist essentiell: innovativer, günstiger, schneller, globaler. Die Gegenteile davon wären übrigens auch das Gegenteil von Fortschritt. Der Fortschritt ist eine evolutionäre Errungenschaft, andernfalls würden wir immer noch das Lagerfeuer und die Höhle als das Maß der Dinge ansehen.

    Was uns wohl alle stört, ist die zügellose Konzentration auf nur wenige Anbieter. Dazu haben wir allerdings selbst beigetragen, denn wir sind Teil des Marktes. Helfen Regulierungen? Auf den ersten Blick ja, sie verhindern aber auch den Fortschritt. Von regionalen Anbietern kaufen, funktioniert auch nur teilweise. Bei Smartphones zB. gibt es nur wenige globale Produzenten. Und es ist kein Faschismus, wenn der große Anbieter aus Kalifornien seine Smartphones in China und Indien produzieren lässt.

    • Wanderin

      @Mopsfidel:

      "Es benötigt allerdings viel Phantasie um von einer neoliberalen Marktwirtschaft über den Sozialdarwinismus zum (Markt-)Faschismus zu gelangen"



      -



      NEIN. Sie hat vollkommen Recht. Die Mathe-Textaufgaben aus der NS- Zeit sahen für Schüler folgendermassen aus:



      -



      "Der jährliche Aufwand des Staates für einen Geisteskranken beträgt im Durchschnitt 766 RM; ein Tauber oder Blinder kostet 615 RM, ein Krüppel 600 RM. In geschlossenen Anstalten werden auf Staatskosten versorgt: 167 000 Geisteskranke, 8 300 Taube und Blinde, 20 600 Krüppel. Wieviel Mill. RM kosten diese Gebrechlichen jährlich? Wieviel erbgesunde Familien könnten bei 60 RM durchschnittlicher Monatsmiete für diese Summe untergebracht werden ?" www.gelsenzentrum...._rechenaufgabe.htm



      -



      Dieses sozialdarwinistische Denken hat sich mehr oder minder unverhohlen in der konservativen neoliberal-ideologischen Mitte erhalten. Ebenso wirkt die Organisationspsychologie der Nazis heute noch in Firmenstrukturen. Wenn man diese Aspekte der Geschichte kennt, konnte man schon vor 10 Jahren oder länger sehen, wohin die Reise geht. Nur wurde man damals belächelt, weil offensichtlich zu wenige diese Aspekte kennen.

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @Mopsfidel:

      Es benötigt nicht viel Phantasie, um von einer neoliberalen Marktwirtschaft zum Faschismus zu kommen. Im Gegenteil. Das ist fast zwangsläufig so. Denn eine neoliberale Marktwirtschaft führt zwangläufig zu einer immer höheren Konzentration von Reichtum und Macht. Und das bedeutet immer mehr Angst und Sorgen bei immer mehr Menschen und das führt zu immer mehr rechtsextremen Wählern.



      Die immer höhere Konzentration auf wenige ist übrigens kein Grundprinzip des Marktes. Nur in einem neoliberalen System. Ansonsten ist es kein Problem, Maßnahmen einzubauen, die eine immer höhere Konzentration von Macht, Reichtum und Unternehmensgröße zu verhindern. Dazu müsste die Besteuerung und sonstige Regeln nur so geändert werden, dass die Superreichen weniger und alle anderen mehr erhalten.

      • Mopsfidel

        @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        Neoliberale Marktwirtschaft führt nicht automatisch zum Faschismus. Das ist Unsinn. Die beiden Systeme haben allenfalls Berührungspunkte, bzw. in autoritären Staaten kann der Neoliberalismus besser gedeihen. Die Staatsform ist in diesem Fall entscheidender wie die Wirtschaftsform.

        Der freie Markt nennt den Wettbewerb als das große Grundprinzip. Ökonomische Mechanismen führen allerdings idR. zur Oligopolisierung oder Monopolisierung. Dem kann man zwar mit sozialer Marktwirtschaft entgegen steuern. Zu viel Regulierung führt allerdings zu Zuständen wie bspw. in der ehemaligen DDR. Am Ende ist die Wirtschaft und das Land nicht mehr handlungsfähig.

  • FtznFrtz

    Die Schlussfolgerungen von Frau Weber leuchten absolut ein. Das System muss liefern, sonst wird es abgewählt, man sieht es z.B. in Sachsen-Anhalt. Hier muss vor allem die Union raus aus alten Denkverboten und im Sinne Webers gegensteuern. Leider macht Frau Reiche in Vielem einen Gegenentwurf dieser Wirtschaftspolitik.

  • hvhasel

    Das sind alles sehr wertvolle Erkenntnisse, die in der politischen Praxis dringend stärker berücksichtigt werden müssen.

    Aber man sollte neben der makroökonomischen Perspektive auch eine mikroökonomische hinzufügen. Denn auch der zunehmende individuelle Konsumismus begünstigt faschistische Tendenzen. Denn dort, wo statt sozialem Engagement nur noch Transaktionen stattfinden, wo gesellschaftlicher Austausch mit Fragen des Konsums verbunden und wo selbst menschliche Grundbedürfnisse nur der Logik des Marktes unterworfen sind, ist auch Sozialdarwinismus und damit Faschismus nicht fern. Dann braucht es selbst in einer saturierten Gesellschaft ohne konkrete existenzielle Not nicht mehr viel, um auf antidemokratischen Pfaden zu wandeln.

  • realnessuno

    Man kann aus seinen Fehlern lernen. Die Sache mit "bezahlbarem Leben" ist schon super und auch nötig.



    Man muss auch genauer anschauen was die alten und neuen Nazis in den 90er Jahren gemacht haben, um HEUTE so beliebt und angesehen zu sein, zumindest in den DDR Bundesländern. Die Rechtsradikalen haben damals eine Lücke gefüllt und sich in Sportvereinen, Jugendclubs und in der Lokalpolitik engagiert usw.



    In Mediatheken gibt es zahlreiche Dokus zu dem Thema, das ist nicht neu.



    Aber scheinbar ist es neu dass man aus dem damaligen Fehler der Politik (kürzen statt fördern) lernen kann! JETZT ist die Zeit um möglichst überall auf die wirklichen Bedürfnisse der Leute / Jugend einzuzgehen, Bildung zu fördern, Politik von und für normale Menschen zu machen...

  • Dietmar Rauter

    Wo Isabella Weber richtig liegt, ist der Zusammenhang zwischen Demokratie, Wohlstand und Akzeptanz des Systems. Ohne die Entwicklung des Kapitalismus aus einem feudalen Systems der Großgrundbesitzer heraus wäre eine Demokratie, die die Beteiligung so vieler Erfinder und Fabrikanten und damit weiterer Mitglieder der Gesellschaft benötigte, nicht möglich geworden, ('Freiheit'). Wir befinden uns jetzt eine Phase weiter: Die Produktivitätsentwicklung führt dazu, dass immer weniger Menschen zur Produktion gebraucht werden: Erst die einfach Arbeitenden, aber dann auch die erst durch die Segnungen der Technik geköderte Mittelschicht und zuletzt auch die Wissenschaftler (KI) werden für eine weitere Kapitalakkumulation und eine Demokratie, die Bildung und Kreativität des Einzelnen förderte, einfach zu teuer, wie sich an der zunehmenden 'Staatsverschuldung' aller demokratischen Systeme ablesen lässt. Das Verrückte daran: Mit wem wollen die 'Kapitalisten', die Investoren denn noch Geschäfte machen, wenn ihre früher einmal im Wohlstand erzogene Kundschaft aufgrund ausbleibender Entlohnung verarmt und ihre 'Rechte' auf Konsum und Auskommen verliert ? Faschisten haben da auch keine Antwort !

    • Dietmar Rauter

      @Dietmar Rauter:

      Anmerkung dazu: Wenn wir ALLE in der Bildung so weit fortgeschritten sind, diese Zusammenhänge zu verstehen in unserer Meinungs- und Fortentwicklungsfreiheit, dann werden wir dazu kommen, die neue Ökonomie als Aufgabenstellung dahingehend zu verstehen, dass sie statt wenigen (Investoren, Trumps und Zuckerbergs) zu 'dienen' hat, sondern einer demokratisch organisierten Gesellschaft. Dazu gehört Privateigentum verpflichtet, jede/r muss die Chance und das Recht haben, durch Arbeit ein selbstbestimmtes Auskommen zu haben (gehört in ein neues Grundgesetz!). Gleichzeitig müssen wir lernen -schon um das Überleben unserer Spezies auf diesem Planeten zu sichern- auf jeglichen Raubbau an den Ressourcen zu verzichten (z.B. ohne private Fahrzeuge oder Flugreisen) solange sie noch nicht CO²-frei möglich sind. Gleichzeitig hat uns der Kapitalismus neben der Aufklärung (Freiheit?) aber viele Fortschritte (mit der Demokratie) gebracht, auf die wir nicht verzichten müssen und das (Über-) Leben leichter machen. Wenn wir die vorhandenen Lebensmittel, Güter und Kenntnisse gemeinwohlorientiert einsetzen, könnten wir die richtigen Lehren aus dem zu überwindenden Kapitalismus gezogen haben, eine Utopie?

  • YeahYeah

    Das würde bedingen, dass Deutschland a) die Migration steuern kann und b) Herr über die Gesetze ist, die in D gelten. Gegen a) spricht das Asylrecht und die Personenfreizügigkeit in der EU. Und gegen b) spricht die Nachrangigkeit von deutschem Recht gegen EU-Recht. Oder wie gross sollen die Vorratslager denn werden?

    • EffeJoSiebenZwo

      @YeahYeah:

      All die Sachen müssen ja nicht notwendigerweise national, sondern können auch im Rahmen einer EU-Gesetzgebung geregelt werden - zumindest wenn man das nicht grds ablehnt.

  • Janix

    Die Selbstermutigung ist etwas Gesundes und sollte keinesfalls den destruktiven Demagogen wie Trump überlassen werden.



    Keine irrealen Versprechungen bitte, gewiss, aber Mut zum Handeln kann viel weiter tragen, als uns gewisse Meinungsmacher glauben machen wollen.



    Sachlich überfällig ist gemeinsames soziales Handeln ohnehin.

  • momper

    Liebe TAZ, vielen Dank für dieses Interview!

  • Gerhard Krause

    Frau (Prof.) Weber sieht dies völlig richtig, es wird nichts mehr verhandelt. Wer insbesondere ökonomisch stark ist, steckt andere in den Sack. Es gibt gemeinhin selbstverständlich keine Lügenpresse, jedoch oftmals kein Verständnis für Freiheit der Armut, oder "(System-)Anfänger" (Menschen, die zB neu geboren worden, oder hinzugekommen sind, zB mit der "Einheit", und den Vorsprung der Älteren nicht mehr aufholen). Es gibt selbstverständlich noch mehr auszuführen.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    So ganz langsam erscheint ab und zu ein Artikel, der den Ursachen des steigenden Rechtsextremismus näher kommt.



    Ja, wenn man Menschen die Angst und die Sorgen nimmt und wieder Hoffnung in die Zukunft gibt, dann werden weniger extreme Parteien wählen. Aber das wird nicht über Nacht passieren. Genauso wie es nicht über Nacht passiert ist, dass 30-40% extreme Parteien wählen. Das hat sich über 40 Jahre entwickelt - seit neoliberale Wirtschaftspolitik populär geworden ist. Und besonders seit 20 Jahren, in denen Finanzkrise, Pandemie, Ukrainekrieg etc. und die hohen Preise für Mieten, Lebensmittel und Energie immer mehr Menschen Angst machen.



    Und die Menschen, die die Hoffnung verloren haben, dass die etablierten Parteien jemals ihre Probleme lösen werden, wählen dann zum Teil extreme Parteien, zum Teil gar nicht.



    Um dies wieder umzukehren, muss man die Probleme lösen. Das geht nicht über Nacht. Denn dazu wird viel Geld benötigt. Aber der Kapitalismus erzeugt dieses Geld, es muss nur gerechter verteilt werden. Aber das geht nicht, wenn Superreichen (>100 Mio. $) und Milliardäre so gering besteuert werden, dass ihr Vermögen alleine seit 2024 um 400 Mrd. $ gewachsen ist.

  • EffeJoSiebenZwo

    Tolles Interview mit wirklich guten Ideen, an denen sich auch der FAZ-Leser reiben kann.

  • gyakusou

    Auch wenn hier viele gute Ideen anklingen, ist die Umsetzung schwierig in einer globalisierten Welt.