Philippinen diskutieren Inbetriebnahme

Atomkraftwerk trotz Erdbebengefahr

Die Philippinen diskutieren die Inbetriebnahme eines 25 Jahre alten Atomkraftwerks, das noch nie gelaufen ist. Dummerweise liegt es direkt an einem schlafenden Vulkan.

UmweltaktivistInnen protestieren gegen die Wiederinbetriebnahme des Bataan Nuclear Power Plant (BNPP). Bild: reuters

MANILA taz Die Philippinen, das verkündet Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo immer wieder gern, wollen etwas gegen den Klimawandel tun. Nun wird ein erstes Projekt angestoßen - und was für eins: Der Kongress debattiert einen Gesetzesantrag, der zum Ziel hat, ein Atomkraftwerk zu aktivieren, das seit 25 Jahren existiert - und bis heute keine einzige Kilowattstunde produziert hat. Anwohner, Umweltschützer und selbst die mächtige katholische Kirche laufen Sturm gegen die Pläne.

Geplant wurde die Bataan Nuclear Power Plant in den 1970er-Jahren, als Diktator Ferdinand Marcos das südostasiatische Land regierte. Die achtjährige, von Korruptionsskandalen überschattete Konstruktionszeit des Leichtwasserreaktors verschlang ein Vielfaches dessen, was ursprünglich eingeplant war. Auf 2,3 Milliarden US-Dollar summierten sich die Kosten, als der Atommeiler 1984 fertig gestellt war. Ans Netz ging er aber nie: Nach Marcos Sturz ließ seine Amtsnachfolgerin Corazon Aquino das AKW versiegeln und verbannte Atomkraft per Gesetz von den Philippinen. Zwei Jahrzehnte produzierte die Anlage westlich von Manila nichts als Kosten: Mit 300.000 US-Dollar Schuldendienst, die die Philippinen bis 2007 jeden Tag für den eingemotteten Reaktor an die amerikanischen Geldgeber zahlen mussten, war sie der größte Einzelposten im Staatshaushalt.

Zwei einflussreiche Kongressabgeordnete wollen nun, dass das AKW doch noch Strom produziert. Mark O. Cojuangco, Spross einer reichen Biermagnaten-Familie, und Präsidentensohn Mickey M. Arroyo haben den Gesetzesantrag vorgelegt, der bis zu 1 Milliarde Dollar freigeben würde. So viel würde es wohl mindestens kosten, um die Anlage ans Netz zu bringen. Mit Atomkraft, so die beiden Politiker, ließe sich das globale Klima schonen und die dem Land drohende Energiekrise abwenden. Wirtschaftliche Interessen steckten nicht dahinter, versichert Cojuangco. Schwer zu glauben, ist die San Miguel Corporation seiner Familie, derzeit das größte Lebensmittel- und Getränkekonglomerat Südostasiens, doch jüngst in das lukrative Stromgeschäft eingestiegen.

Während die Vorlage im Kongress durchaus wohlwollend debattiert wird, gibt es im Land viele Gegner. Ein Großteil der Anwohner sei gegen das AKW, warnte der Gouverneur von Bataan, Enrique Garcia, in einer Anhörung: "Die Leute fürchten sich. Sie glauben, die Anlage ist nicht sicher." In der Tat warnen Experten wie der emeritierte Geologie-Professor Kelvin S. Rodolfo vor einer Inbetriebnahme. Die Anlage liege in einem stark durch Erdbeben gefährdeten Gebiet und direkt an einem "schlafenden" Vulkan. Auch der Mt. Pinatubo, bei dessen Ausbruch 1991 mehr als tausend Menschen ums Leben kamen, liegt in der Nähe des AKW. Eine Studie, die der Technikexperte Nicanor Perlas bei einer Anhörung im Kongress vorstellte, hat mehr als 4.000 Mängel in dem AKW nachgewiesen. Laut Tessa de Ryck, Nuklearspezialistin von Greenpeace, ist die Anlage des Herstellers Westinghouse veraltet und genügt nicht den Sicherheitsstandards der Internationalen Atomenergiebehörde.

Präsidentin Arroyo hat sich zu den Atomplänen ihres Sohnes bisher nicht konkret geäußert. Wichtig sei, so heißt es aus dem Palast, Ölimporte zur reduzieren und selbst ausreichend Energie zu produzieren.

 

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