"Derrick"-Darsteller Horst Tappert gestorben

Ein deutscher Antiheld

Als "Derrick" löste er fast 300 Fälle, wurde weltberühmt. Nun ist Schauspieler Horst Tappert tot. Er starb 85-jährig in München.

Horst Tappert in seiner Lebensrolle als Inspektor Derrick (Archivbild von 1993). Bild: dpa

Kein anderer deutscher Fernsehstar ist wie er durch bildungsbürgerliche Aufmerksamkeit so geadelt worden. Umberto Eco, der sich nach eigener Auskunft dem zähflüssigen Charme der Kriminalserie "Derrick" nicht entziehen konnte, nannte den Titelhelden in einem titelgebenden Essay einen "Leidenschaftlichen des Mittelmaßes". Und der Mann, der diese in München agierende Figur verkörperte, war Horst Tappert.

Der 1923 in Wuppertal geborene Beamtensohn, der nach der Volksschule zunächst eine Solidität verheißende Kaufmannslehre absolvierte, wechselte den Beruf nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft - und trug fortan seine persönliche Passion zu Markte: die der Schauspielerei. Tappert machte bis in die frühen Siebziger eine vorzügliche Karriere. In "Die Gentlemen bitten zur Kasse" lehrte er 1966 die Deutschen die Lust am Kriminellen, er wusste den Täter mit exzellenter Glaubwürdigkeit zu spielen - so einer wollte man auch sein: Den Zaster sich auf das Illegalste holen, von schönen Frauen umgarnt werden, und dann noch ungefasst bleiben, davonzukommen.

Und doch verkörperte Tappert diesen Typus wie alle anderen seiner Figuren mit größter mimischer Dezenz - manche sagen: Dieser Mann kam mit drei Gesten über viele Jahrzehnte aus. In Wahrheit erschloss sich aus seinem Antlitz, bestem amerikanischen Filmschauspielvermögen ähnlich, ein steter Kosmos an Verzweiflung wie Melancholie. Ein "method actor", der über die Tragödie des Lebens immer im Bild zu sein schien, der üblen Machenschaften zusetzte und doch ein Mensch blieb.

In 281 Folgen spielte Tappert von 1973 bis 1998 den Münchner Kommissar, der sich von seinem Assistenten Harry Klein (Fritz Wepper) den Wagen bringen ließ, wenn die Dinge sich zu klären begannen. In dieser Rolle lernte die Welt die Deutschen als tief depressives Volk kennen: "Derrick" wurde in 104 Länder verkauft; in Norwegen, Italien wie den Niederlanden gibt es bis heute keinen bekannteren deutschen Schauspieler.

Im Alter von 85 Jahren ist er an der Seite seiner Frau Ursula, so berichtet das Magazin Bunte, am Sonnabend in München verstorben.

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