Berliner Jugendforum im Abgeordnetenhaus

"Aktionsorientierte Angebote"

Breaker aus dem Kiez und dynamische Abgeordnete - mit dieser Mischung will das 8. Berliner Jugendforum am Samstag 1.000 Teilnehmer anlocken.

Das Berliner Jugendforum findet an diesem Samstag zum achten Mal im Abgeordnetenhaus statt. Von 9.30 Uhr bis in den Abend diskutieren Jugendliche mit Abgeordneten über acht Themen, die sie interessieren; stellen Berliner Projekte vor und beteiligen sich an einem kulturellen Rahmenprogramm. Außerdem wird der Medienpreis Media Max verliehen, ein Breakdance-Battle findet statt und am Abend treten die Too Funk Sistaz (Hiphop) und das Berlin Boom Orchestra (Ska) auf. Die Veranstalter rechnen in diesem Jahr mit mehr als 1.000 Besuchern.

Veranstaltet wird das Jugendforum vom Berliner WannseeForum und dem "Werkstatt neue Technologien und Kultur e. V.". Schirmherr ist der Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD). Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin unterstützen das Projekt. Beteiligt sind unter anderem der Landesjugendring, die Junge Presse Berlin sowie die Servicestelle Jugendbeteiligung.

taz: Herr Thomas, Sie organisieren das 8. Berliner Jugendforum am morgigen Samstag. Wie kann man sich daran beteiligen?

Jens Thomas: Zunächst kann jeder mitmachen, unsere Zielgruppe ist sehr heterogen. Wir wollen Jugendliche aus allen Schichten und aus allen Bezirken ansprechen, vor allem zwischen 16 und 26 Jahren. Auch die Beteiligungsformen sind sehr unterschiedlich: Jugendliche moderieren oder diskutieren auf dem Jugendforum, sind in Projekte involviert, treten auf den Bühnen auf oder schreiben für unser Magazin polli.

Was interessiert denn Jugendliche in diesem Jahr besonders?

Das sind immer Themen, die sie unmittelbar betreffen. Dieses Jahr geht es um virtuelle und soziale Räume, um neue Partizipationsformen und Gefahren im Internet. Außerdem um Abschottungstendenzen in Berliner Bezirken, um die Umgestaltung des öffentlichen Raumes und die Freiräume von Jugendlichen wie Jugendclubs und der von der Schließung bedrohte Mellowpark. Auch die Integration von Muslimen, neue Formen der Arbeitswelt, die Zukunft des Schulsystems und modernisierte Rechtsextreme stehen auf der Agenda.

Auf der Homepage des Jugendforums wird der Anspruch geäußert, Jugendliche aller sozialen Schichten anzusprechen. Kann das überhaupt funktionieren?

Mit einem Schlag erreicht man das sicher nicht. Darum ist es wichtig, über viele verschiedene Kanäle zu kommunizieren. Bei unserem Online-Magazin schreiben Jugendliche Texte ebenso wie Abgeordnete. Das sind in der Regel andere junge Leute als jene, die zum Beispiel auf dem Forum moderieren wollen. So sind Oberstufenschüler eventuell eher an den politischen Diskussionen interessiert, und Leute, die aus sozialen Brennpunkten kommen, weil die Breaker aus ihrem Kiez auftreten. Wir versuchen, gezielt Leute in den verschiedenen Mikrokosmen der Jugendlichen anzusprechen und einzuladen. Das funktioniert speziell über Vernetzung. Und wenn zentrale Figuren auf dem Jugendforum sind, kommen die anderen mit.

Aber sind nicht hauptsächlich Jugendliche vor Ort, die sowieso schon aktiv in Verbände oder Vereine eingebunden sind?

Viele Jugendliche, die das Jugendforum nutzen, haben ein konkretes Anliegen oder sind bereits im Vorfeld in die Vorbereitungen eingebunden. Es ist kein allzu leichtes Unterfangen, Jugendliche an einem Samstag ins Abgeordnetenhaus zu bewegen. Wenn es keine aktionsorientierten Angebote bei uns gäbe, würden viele abwinken und sagen: "Oh Gott, was soll ich da?"

Also doch wieder die alte Leier der uninteressierten Jugendlichen?

Ich glaube nicht, dass Jugendliche politisch uninteressiert sind. Sie sind vielmehr systemskeptisch bis parteiverdrossen, das zeigen auch diverse Studien. Auch haben städtische Jugendliche weniger Vertrauen gegenüber politischen Gremien und Mandatsträgern als Jugendliche aus Dörfern und Kleinstädten. Insgesamt ist das politische Engagement heute aber ein anderes: Viele, die sagen, sie hätten mit Politik nichts am Hut, äußern sich im Gegenzug durchaus politisch und handeln dementsprechend.

Werden da Berufspolitiker nachgeahmt - oder wie muss man sich die Diskussionen vorstellen?

Das kommt ganz auf das Thema an und lässt sich nicht pauschalisieren. Organisierte und gut gebildete Jugendliche führen die Diskussion mit den Politikern anders als Jugendliche aus so genannten bildungsfernen Schichten. In Diskussionsforen zu Neukölln oder Marzahn ist der Ton rauer als in Diskussionsgruppen zum Thema Klimawandel oder der Zukunft des Schulsystems.

Und was passiert dann, wenn man den ganzen Tag geredet hat?

Am Ende der Veranstaltung wird im Plenarsaal zu jedem Thema eine Abstimmungsfrage gestellt. Was im Anschluss mit dem Ergebnis passiert, hängt von den Jugendlichen und den Abgeordneten ab. Im letzten Jahr hat sich eine kleine Gruppe nach dem Jugendforum gebildet und einen autofreien Tag in Berlin organisiert. Ich bin gespannt, was in diesem Jahr passiert.

.

„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de