Kampf zweier Linien im Hause Castro

Raúl Castro sucht Dialog mit den USA

Brasiliens Präsident Lula drängt auf ein Ende des US-Embargos. So macht er sich zum Fürsprecher von Raúl Castro. Bruder Fidel passt diese Richtung gar nicht.

Raúl Castro schlägt versöhnlichere Töne an als sein Bruder Fidel. Bild: dpa

Für Luis Inácio Lula da Silva ist die Sache klar: "Die Beendigung des Handelsembargos, das ohnehin keinen Sinn mehr hat, ist der erste Schritt, um eine Transition in Kuba zu unterstützen", sagte Brasiliens Präsident Ende letzter Woche gegenüber der italienischen Zeitung Repubblica. Ein Appell, den Brasiliens Präsident auch schon persönlich an den zukünftigen Bewohner des Weißen Hauses, Barack Obama, richtete. Obama habe die Kraft und die politische Autorität, um die Beziehungen zwischen Kuba und den USA zu verändern.

Was Lula allerdings nicht sagte, war, dass mit Raúl Castro in Kuba ein Staatschef im Amt ist, der dazu auch bereit ist. Zweimal hat der jüngere Bruder Fidel Castros seine Bereitschaft zum Dialog mit den USA bekräftigt.

Dass Brasiliens Staatschef nun die Initiative ergreift, muss kein Zufall sein. Nur wenige Tage vor den Wahlen in den USA war er persönlich in Havanna und hat den Ausbau der Wirtschaftskooperation zwischen Brasília und Havanna weiter vorangetrieben. Mit einem Handelsaustausch von 450 Millionen ist Brasilien nach Venezuela Kubas wichtigster Handelspartner in der Region und mit dem Einstieg von Petrobras in die Erdölexploration in kubanischen Hoheitsgewässern im Golf von Mexiko sind die Weichen gestellt, um zu Kubas wichtigstem Wirtschaftspartner zu werden. Das ist offizielles Ziel der brasilianischen Politik, wie Celso Amorim, Brasiliens Außenminister, kürzlich bestätigte.

Raúl Castro hört derartige Aussagen gern. Ihm ist die Abhängigkeit von einem oder einigen wenigen Handelspartnern suspekt, und in Kuba gilt es als offenes Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen Venezuelas Präsident Hugo Chávez und dem zurückhaltend auftretenden Raúl Castro nicht das beste ist. Seit Raúl Castro die Regierungsgeschäfte führt, sind zudem die Beziehungen zu Russland, China und eben Brasilien deutlich intensiver geworden. Das belegen auch die Besuche von Chinas Präsident Hu Jintao und Russlands Staatschef Dmitri Medwedjew in diesem Monat in Havanna. Obendrein sind die Gegenbesuche von Raúl bereits vereinbart und noch im Dezember steht die Visite in Brasilia auf der Agenda. Zuvor, darauf hat Hugo Chávez allerdings gepocht, muss der seit Februar amtierende Raúl seinen Antrittsbesuch in Caracas machen, und Raúl wird dem Wunsch nachkommen, denn der in Kuba gern als Subcomandante bezeichnete Chávez ist zu wichtig für die Insel.

Auf Lula und dessen Initiative ist allerdings Raúls großer Bruder Fidel nicht sonderlich gut zu sprechen. Fidel, den sein spanischer Leibarzt gerade wieder gesund geschrieben hat, kritisierte die Initiative Lulas in seiner Kolumne am Wochenende und fragte polemisch, ob Kuba sich denn nun zum Kapitalismus öffnen solle - keine günstigen Vorzeichen für den in Kuba durchaus gewünschten Dialog zwischen Obama und Raúl.

Reiseerleichterungen für Kubaner mit US-Papieren werden in Havanna genauso händeringend erwartet wie der Abbau der Hürden bei Geldsendungen aus Miami. Doch nicht nur Familien mit Angehörigen in den USA hoffen auf den Dialog, auch Kubas Dissidenten setzen große Hoffnungen auf Obama. "Das alte Feindbild ist mit Obama nicht mehr zu halten und für Kuba könnte die Wahl eine größere Bedeutung haben als der Fall der Berliner Mauer", prophezeite Manuel Cuesta Morua, ein Vertreter der sozialdemokratischen Fortschrittspartei.

Doch die nicht unbedingt realistischen Hoffnungen auf ein baldiges Ende des US-Embargos, haben schnell die ersten Dämpfer bekommen. Verantwortlich dafür war der oberste Compañero der Insel, der sich in den letzten Monaten immer öfter und immer entschiedener zu Wort meldet. Es sei einfältig, zu glauben, die guten Absichten einer einzigen intelligenten Person könnten beseitigen, was der Egoismus und bestimmte Interessen in Jahrhunderten geschaffen hätten, so war am Wochenende in der Granma zu lesen. Das Parteiorgan druckt fleißig, was Fidel - der erste Sekretär der kommunistischen Partei - schreibt.

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