Schmiergeldskandal

Ex-Siemens-Vorstand droht Gefängnis

Ex-AUB-Chef Schelsky belastet frühere Topmanager des Siemens-Konzerns. Ein Vorstand habe ihm den Auftrag gegeben, die Arbeitnehmerorganisation aufzubauen.

Hat sein Schweigen gebrochen: Wilhelm Schelsky. Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft wolle ihn vernichten, wettert sein Anwalt. "Ich kommentiere nichts", sagt Johannes Feldmayer, bis vergangenes Jahr Siemens-Vorstandsmitglied. Die Staatsanwältin hat dreieinhalb Jahre Haft für den gefallenen Spitzenmanager gefordert. Er soll 30,3 Millionen Euro aus Firmenkassen abgezweigt haben, um die vorstandstreue Arbeitnehmerorganisation AUB zu fördern. Der ehemalige Chef der Pseudogewerkschaft, Wilhelm Schelsky, soll nach dem Willen der Ankläger wegen Beihilfe zur Untreue, Betrug und Steuerhinterziehung gar für sechs Jahre ins Gefängnis.

Feldmayer hatte bereits am ersten Verhandlungstag zugegeben, mit Schelsky einen Rahmenvertrag über die Zahlungen abgeschlossen zu haben. Feldmayer habe seinem Unternehmen einen immensen Schaden zugefügt, sagt Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke am Montag in Nürnberg. "Eine ernsthafte Kontrolle, ob der Angeklagte Schelsky die Gelder im Sinne des Vertrags angemessen verwendete, fand nicht statt." Tatsächlich steckte Schelsky die überwiesenen Beträge nicht nur in die Marionettengewerkschaft AUB, sondern sponserte damit auch fränkische Handballmannschaften und lebte selbst luxuriös in einer Villa an der Ostsee.

Seit 1984 war Schelsky Leiter der Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Betriebsräte (AUB), einer kleinen Arbeitnehmerorganisation mit einem ehrgeizigen Ziel: Sie sollte die Übermacht der IG Metall in den Betriebs- und Aufsichtsräten brechen und stets das treu vertreten, was dem Arbeitgeber nutze. Den Siemens-Chefs gefiel die Idee mit der loyalen Gewerkschaft. Sie beschlossen, die AUB finanziell zu unterstützen. Den Auftrag, die AUB weiter auszubauen, habe er 1990 vom damaligen Zentralvorstand Hermann Franz bekommen, sagt Schelsky nun.

Während beim ersten großen Siemens-Schwarzgeldprozess in München im Sommer detailliert das verzweigte System der schwarzen Kassen innerhalb des Konzerns aufgedröselt wurde, blieben die Hintermänner im Fall Schelsky weitgehend im Dunkeln. Wenn große Namen aus dem inneren Führungskreis von Siemens als Zeugen auftraten, schwiegen sie - wie etwa die früheren Spitzenmanager Heinz-Joachim Neubürger und Karl-Hermann Baumann. Oder sie konnten sich nicht erinnern - wie der nun von Schelsky massiv belastete damalige Zentralvorstand Hermann Franz. Man habe den Mitarbeitern Gelegenheit geben wollen, in die AUB einzutreten, rechtfertigte sich Franz vor einigen Wochen vor Gericht.

Hinter dem AUB-Skandal stecke kein System, sagt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Es hätten sich keine Hinweise auf weitere Mitwisser im Vorstand ergeben. Schelsky sieht das allerdings anders: "Der Kreis derer, die über die Finanzierung Bescheid wussten, war rückblickend erschreckend groß", sagt er am Montag vor Gericht. Auch Mitglieder des Aufsichtsrats seien eingeweiht gewesen. Der aktuelle Deutschland-Personalchef Walter Huber sei zwischenzeitlich sein Ansprechpartner gewesen.

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