Rose Kabuye verhaftet

Ruandas kontroverse Befreiungsheldin

Für Rose Kabyue, der Protokollchefin und langjährigen Kampfgefährtin von Ruandas Präsident, besteht in Frankreich ein Haftbefehl. Am Sonntag wurde sie Frankfurt am Main festgenommen

Rose Kabuye im Gespräch mit US-Außenministerin Madeleine Albright (Archivfoto von 1997) Bild: ap

BERLIN taz Sie ist die ranghöchste Frau in Ruandas Militär, und sie ist eine der engsten Vertrauten des ruandischen Präsidenten Paul Kagame. Rose Kabuye, Kagames Protokollchefin, wurde am Sonntagabend am Frankfurter Flughafen von der deutschen Polizei festgenommen und in Auslieferungshaft nach Frankreich gesteckt - was eine mittelschwere diplomatische Krise hervorgerufen hat.

Kabuye, erst 47, aber heute schon Oberstleutnant i. R., wuchs ebenso wie Kagame im Exil in Uganda auf - eine der vielen ruandischen Tutsi, die bei Ruandas Unabhängigkeit 1959/62 von der neuen Hutu-Regierung außer Landes gejagt wurden. Als die Exiltutsi in Uganda Ende der 80er-Jahre die Guerillabewegung RPF (Ruandische Patriotische Front) gründeten, um ihre Rückkehr in die Heimat durchzusetzen, war sie dabei. "Als ich in die Armee ging, diente dies einem Ziel", sagte sie später. "Ich kämpfte für meine Rechte, die Rechte meiner Kinder und aller Kinder. Durch den Kampf haben wir diese Rechte verwirklicht."

Während des ruandischen Völkermordes 1994, als die Hutu-Regierung Ruandas die komplette Ausrottung aller Tutsi betrieb, führte Rose Kabuye als Majorin Teile der RPF-Armee, die Ruanda innerhalb von drei Monaten eroberte und das Völkermordregime über die Grenze in den Kongo trieb. Nach dem Sieg wurde sie Präfektin der Hauptstadtprovinz Kigali und später Bürgermeisterin der Hauptstadt, bevor sie ins Parlament einzog und sich starkmachte für die Sache der Frauen in Ruanda und für Versöhnungsarbeit zwischen Hutu und Tutsi. Seit 2006 arbeitet sie im Präsidialamt als Protokollchefin des Staatschefs.

2006 erließ der französische Untersuchungsrichter Jean- Bruguière Haftbefehl gegen Kabuye und andere hohe Verantwortliche Ruandas, bis hinauf zum Präsidenten. Sie sollten für den Abschuss des Flugzeuges von Ruandas Hutu-Präsident Juvenal Habyarimana am 6. April 1994 verantwortlich gewesen sein, der als Auslöser für die organisierten Massaker an Ruandas Tutsi gilt. Ruanda sieht in diesen Vorwürfen eine billige Retourkutsche für ruandische Vorwürfe, wonach Frankreich eine führende Rolle beim Völkermord gespielt habe. Bruguière ist inzwischen aufseiten der französischen Rechten in die Politik gewechselt, aber seine Haftbefehle bleiben europaweit gültig.

Als sie Kagame zuletzt im April bei seinem Deutschlandbesuch begleitete, entging Kabuye noch der Festnahme, weil sie in diplomatischer Funktion unterwegs war. Aber sie wusste, dass dies diesmal nicht gehen würde. Vielleicht hofft sie jetzt auf eine Gelegenheit, in Paris die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen.

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